DKV ringt mit Vertriebsschwäche

Die Vertriebsprobleme der Deutschen Krankenversicherung (DKV) verschärfen sich weiter. 2004 verlor das zum Ergo-Konzern und damit zur Münchener Rück gehörende Unternehmen einen halben Prozentpunkt Marktanteil.
Bereits seit 2003 steht der einstige Marktführer nicht mehr an der Spitze der Branche. In dem Jahr zog die Debeka aus Koblenz an der DKV vorbei. Gemessen an den Brutto-Beitragseinnahmen, kommt die DKV auf 12,6 Prozent statt 13,1 Prozent, bei den versicherten Personen hatte sie Ende 2004 noch 12,0 Prozent Marktanteil, nach 12,5 Prozent im Vorjahr.
Eines der Probleme ist, dass die DKV sich durch eine rigide Leistungsprüfung bei vielen Kunden und Ärzten den Ruf eines schlecht zahlenden Versicherers erworben hat. Zwar hat das Unternehmen nach eigenen Angaben die flächendeckenden Prüfungen inzwischen reduziert. „Seit vier Jahren konzentrieren wir uns verstärkt auf wenige Fälle“, sagte Vorstand Jochen Messemer. Aber das negative Image bleibt.
Nun hofft die DKV auf Besserung im Jahr 2005. Dabei wird ihre jüngste Beitragserhöhung allerdings nicht von Vorteil sein: Die DKV erhöhte ihre Beiträge im Januar im Durchschnitt um 7,3 Prozent, manche Kunden mussten mehr als zehn Prozent schlucken. Vorstandsmitglied Hans-Josef Pick begründete das Ausmaß mit der gestiegenen Lebenserwartung der Kunden und den höheren Kosten der medizinischen Versorgung. Im Januar 2004 hatte die DKV ihre Beiträge bereits um 2,3 Prozent erhöht.
Vorstandschef Günter Dibbern ist mit der Vertriebsleistung der Schwesterfirmen in der Ergo – vor allem der Hamburg-Mannheimer – offenbar nicht zufrieden. „Seit der Aufgabe der Vertriebskooperation mit der Allianz ist die DKV in einer schwierigen Gemengelage“, sagte er. Die Allianz hatte die DKV 1997 an die Münchener Rück verkauft, danach beendete sie die Vertriebszusammenarbeit.
Große Hoffnungen setzt Dibbern auf die neuen Kooperationspartner Gerling, Deutsche Bank und Zurich Financial. 2004 hatte die DKV die kleinen Krankenversicherer Globale Kranken – ein Gemeinschaftsunternehmen von Gerling und Deutscher Bank – sowie Zürich Kranken für zusammen 63 Mio. Euro übernommen.
Dibbern warnte erneut vor der Bürgerversicherung, deren geplante Einführung die „existenziellen Grundlagen“ der Branche bedrohe. Unter der Bürgerversicherung würde die private Krankenversicherung auf Zusatzdeckungen reduziert.
Er versucht, die DKV durch die verstärkte Expansion in medizinische Dienstleistungen und ins Ausland zukunftssicher zu machen. Nach dem Erfolg des Gesundheitszentrums Gomedus in Köln will die DKV weitere große Privatpraxen eröffnen. Im Ausland gehören der Vertrag zur Versorgung der spanischen Provinz Denia und ein Anteil am ersten privaten Krankenversicherer in China zu Dibberns Erfolgen.

Quelle: Financial Times Deutschland


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