Ergo plant Expansion in Osteuropa

Die Ergo Versicherungsgruppe, in der die Münchener Rück ihre wichtigsten Erstversicherer bündelt, hat das Ende ihrer schweren Krise ausgerufen. Nach einer deutlichen Ergebnisverbesserung im vergangenen Jahr zeigt sich Konzernchef Lothar Meyer trotz fortgesetzter Marktanteilsverluste in der Lebensversicherung optimistisch. „Wir sind mit dem Ergebnis zufrieden, aber nicht mit dem Wachstum“, sagte er gestern. Eine Konsequenz ist der Ausbau des Auslandsgeschäfts. Der Konzern hatte sich 2004 bereits verstärkt in China und Spanien engagiert und steht kurz vor der Entscheidung über weitere Zukäufe, vor allem in Osteuropa. Zu Ergo gehören unter anderem Hamburg-Mannheimer, Victoria, die Deutsche Krankenversicherung DKV und die Rechtsschutzversicherung DAS.
Das Konzernergebnis verbesserte sich von einem Verlust von 1,4 Mrd. Euro im Jahr 2003 – Folge hoher Abschreibungen auf Aktien – in einen moderaten Gewinn von 202 Mio. Euro. Für 2005 kündigte Meyer einen Gewinn von 300 Mio. Euro Euro an. Quer durch alle Sparten rechnet die Versicherungsgruppe mit einem Beitragswachstum von rund vier Prozent.
In der Autoversicherung sowie im Gewerbegeschäft spürt die Gruppe aber Druck auf die Preise. Wie in der Vergangenheit werde sich Ergo aber auch jetzt nicht an Preiskämpfen beteiligen, sondern ihre gewohnte hohe Ertragskraft beibehalten, sagte Michael Rosenberg, Chef der Schaden- und Unfallsparte. Unter den deutschen Unfall/Schadenversicherern belegt das Düsseldorfer Unternehmen Platz fünf bis sechs.
Die Bilanz in der Lebensversicherung fällt zwiespältig aus. „Trotz eines riesigen Neugeschäfts haben wir an Boden verloren“, sagt Meyer. Ergo konnte zwar wie der Rest des Marktes vom Schlussverkaufsboom wegen der Steueränderungen profitieren, der sich vor allem gegen Jahresende auswirkte. Aber der Zuwachs blieb hinter dem des Marktes zurück. Ein Grund: Die Tochter Victoria Lebensversicherung bietet mit 3,3 Prozent Verzinsung auf den Sparanteil fast einen Prozentpunkt weniger als die Konkurrenz. Vor allem Makler tun sich da oft schwerer mit dem Verkauf von Victoria-Policen.
Im Januar und Februar 2005 blieb der Absatz von Lebensversicherungen „zweistellig“ unter den ohnehin schwachen Zahlen von Anfang 2004 zurück. Meyer und Götz Wricke, Chef der Lebensversicherungssparte, beunruhigt das wenig. „Die Vorzieheffekte in 2004 wirken sich aus“, sagte Wricke.
Der gewaltige Konzernumbau verlaufe planmäßig, sagte Meyer. Nach den katastrophalen Verlusten hatte die Münchener Rück der Tochter eine Umstrukturierung verordnet. Waren früher Victoria, Hamburg-Mannheimer, DKV und DAS für ihr Leben- und Schaden-Unfall-Geschäft selbst verantwortlich, gibt es jetzt einen Chef für alle Lebensversicherer des Konzerns und einen weiteren für die Schaden-Unfall-Unternehmen.
Meyer betonte den Erfolg des gleichzeitig ablaufenden Kostensenkungsprogramms. So wurden schon rund 300 Arbeitsplätze abgebaut, 2005 sollen weitere 300 folgen. Das Programm habe zusammen mit einer Verbesserung des Schaden/Unfall-Geschäfts wesentlich zum positiven Konzern-Ergebnis beigetragen. 2005 soll es seine volle Wirkung entfallen und dauerhafte Einsparungen von 300 Mio. Euro bringen.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv