Gerling erklärt Krise für beendet

Der Versicherungskonzern Gerling hat nach Auffassung seines Vorstandschefs Björn Jansli die schwere Krise überwunden. „Dieses Unternehmen ist gesund. Wir hatten eine existenzgefährdende Krise. Die ist vorbei“, sagte Jansli der FTD. Das könnte sich bald in einem verbesserten Rating für die operativen Töchter Gerling-Konzern Allgemeine (GKA) und Gerling-Konzern Lebensversicherung (GKL) niederschlagen.
Der Konzern hatte sich durch Überexpansion vor allem in den USA verhoben. Nach massiven Verlusten musste Gerling 2002 das Neugeschäft in der Rückversicherung zum größten Teil einstellen. Die Negativentwicklung schlug auf die Holding und die anderen Konzerngesellschaften durch.
Janslis positive Einschätzung des heutigen Zustands steht in Kontrast zur Sicht des Konzerns durch andere Versicherer. Sie verweisen auf negative Faktoren: Hauptaktionär Rolf Gerling, der 94 Prozent hält, hat erklärt, dass er aussteigen will und auch kein frisches Kapital bereitstellen kann. Die frühere Gerling Globale Rück und jetzige Globale Rück, die nach den hohen Verlusten abgewickelt wird, gehört juristisch immer noch zu Gerling und hat Probleme in den USA. Der Industrieversicherer GKA brauchte 2003 150 Mio. Euro frisches Geld von seinen Kunden, um überleben zu können, wird kritisiert. Der Lebensversicherer GKL gründete im selben Jahr sogar eine neue Rückversicherung, um durch einen Finanzdeal mit dieser Tochter seine Bilanz darstellen zu können. Schließlich leide die Holding unter hohen Pensionslasten.
Jansli hält die Einwände für nicht stichhaltig. „Die Finanzrückversicherungsverträge zwischen der GKL und ihrer Tochter wurden von der Aufsicht BaFin gebilligt,“ sagte er. „Wir handelten so, weil externe Rückversicherer sehr spät versuchten, ihre Verträge mit uns zu unseren Ungunsten zu ändern.“ Aus den USA drohten keine Gefahren. „Ich glaube nicht, dass die US-Tochter der Globale Rück insolvent wird. Aber selbst wenn, würde das den Konzern nicht treffen.“ Globale-Chef Achim Kann hatte vor kurzem die Möglichkeit einer Insolvenz genannt.
Obwohl Jansli die Gesundung des Konzerns ausruft, verhandelt er im Auftrag der Gesellschafter mit Kaufinteressenten für GKA und GKL. Zur Begründung sagte er: „Die Frage ist, ob wir in der Lage wären einen Super-Gau auszuhalten.“ Das definiert er als Zusammentreffen von Naturkatastrophen, hohen Industrieschäden und einem Kapitalmarkteinbruch.

Quelle: Financial Times Deutschland


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