Geschäft mit der Riester-Rente brummt wieder

Allianz Leben vervierfacht Absatz in den ersten Monaten des Jahres · Bevorstehende Einführung von Unisextarifen kurbelt Absatz an

Von Anja Krüger, Köln Die Riester-Rente steht vor einer Renaissance. Marktführer Allianz Leben hat mit 18 000 Policen in den ersten dreieinhalb Monaten dieses Jahres viermal mehr staatlich geförderte private Altersvorsorgeverträge verkauft als im Vergleichszeitraum des Jahres 2004. „Das soll erst der Anfang sein“, sagte ein Sprecher. Allianz Leben verkaufe von Woche zu Woche mehr Riester-Verträge.

Die Bundesregierung hat die nach dem ehemaligen Arbeitsminister Walter Riester benannten Verträge mit der Rentenreform 2002 eingeführt. Um Kürzungen in der gesetzlichen Rentenversicherung auszugleichen, fördert der Staat über Zulagen sowie Steuervergünstigungen den Aufbau der privaten Altersvorsorge. Die Versicherer hatten große Erwartungen an die Riester-Rente geknüpft. Sie wollten binnen kurzem Verträge in zweistelliger Millionenhöhe absetzen. Im Jahr 2002 hatten die Versicherer auch knapp drei Millionen Verträge verkaufen können. Danach flachte der Absatz aber drastisch ab. 2003 und 2004 vertrieb die Assekuranz zusammen nur 820 000 Riester-Policen.

Die Allianz Leben hatte bis zum Ende des vergangenen Jahres 680 000 Verträge abgesetzt, davon nur 28 000 im Jahr 2004. Mit wie vielen Abschlüssen sie für dieses Jahr rechnet, wollte der Sprecher nicht sagen. Die Allianz Leben rechne aber mit Sondereffekten, weil 2005 wahrscheinlich besonders viele Männer einen Vertrag abschließen werden. Ab dem kommenden Jahr müssen die Versicherer bei Riester-Renten Unisextarife einführen, das sind einheitliche Tarife für Männer und Frauen. Weil Frauen eine deutlich höhere Lebenserwartung haben als Männer, müssen sie für die selbe Rente bislang höhere Beiträge zahlen. Die Assekuranz wird die Prämien für männliche Kunden anpassen. Männer müssen Schätzungen zufolge künftig bis zu 15 Prozent mehr zahlen. Noch stehe nicht fest, in welcher Höhe die Prämien für Männer bei Riester-Verträgen der Allianz steigen, sagte der Sprecher.

Die Bundesregierung hat auf Druck der Assekuranz die Vorgaben für Riester-Verträge in einigen Punkten geändert. Sie hat unter anderem die Anreize für die Vertriebe erhöht, die bislang die Riester-Rente zurückhaltend verkauften. Ab diesem Jahr müssen die Provisionen nicht mehr auf zehn, sondern nur noch auf fünf Jahre gestreckt werden. „Wir glauben fest daran, dass sich die Riester-Rente auf Dauer durchsetzen wird“, sagte Hanns-Michael Winkler, Leiter des Bereichs Financial Services der Allianz in Nordrhein-Westfalen.

Auch für die Kunden ist die Riester-Rente attraktiver geworden. Sie müssen die Zulagen nur noch einmal pro Vertrag und nicht mehr jährlich beantragen. Darüber hinaus können sie sich anders als früher zu Beginn der Rentenzahlung statt 20 Prozent des angesparten Kapitals 30 Prozent auf einen Schlag auszahlen lassen.

Quelle: Financial Times Deutschland


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