Höllenhund aus dem Hinterhalt

Beim US-Fonds Cerberus ist der Name Programm. In der griechischen Mythologie ist Zerberus ein mehrköpfiger Hund, der den König der Unterwelt, Hades, bewacht. In der Wirklichkeit nimmt Cerberus problembehaftete Vermögenswerte („Distressed Assets“) ins Visier. Ob Unternehmen, Immobilien oder Kredite ist einerlei. „Feinberg auf der Jagd nach Schmerzen“, titelte die Hedge-Fonds-Postille „Absolutereturn“ im Mai 2003 über Cerberus-Gründer Stephen Feinberg.
Vor zwei Jahren hat Feinberg, Jahrgang 1960, seine Leute auch für die Jagd in Deutschland in Stellung gebracht. Seither gibt es kaum eine Transaktion auf dem Markt, bei der Cerberus nicht als Interessent genannt wird. Gestern schlug der Fonds zu und erwarb die Flugzeugleasingfirma Debis Air Finance. In den vergangenen zwölf Monaten kauften die Amerikaner die Berliner Wohnungsgesellschaft GSW, den insolventen badischen Autozulieferer Peguform und die private Handelskreditbank (HKB) im Sauerland.
Ihren bislang heißesten Deal nehmen die US-Boys derzeit in Köln unter die Lupe: den Versicherungskonzern Gerling. Der Evaluierungsprozess soll bis zum 20. Mai abgeschlossen sein, hieß es gestern. Danach wird eine rasche Entscheidung erwartet. Sollten sich Cerberus und die Eigner bis Ende Juni einigen, kann das Geschäft rückwirkend zum 1. Januar 2005 abgewickelt werden.
Für Cerberus besonders attraktiv: Gerling hat als Industrieversicherer Daten über Deutschlands wichtigste Industrieunternehmen und Zugang zu ihnen. Und trotz der Krise einen hervorragenden Ruf. Den könnte Cerberus für sich selber nutzen, indem Gerling als Vehikel für die Investitionen in Europa dient, heißt es in Versicherungskreisen. Solche Vermutungen kommen nicht von ungefähr. Die Höllenhunde haben seit ihrem Start in Deutschland viel Porzellan zerschlagen. Da hilft auch wenig, wie gestern Politiker und Banker in Berlin zu parlamentarischen Abenden einzuladen.
Vor allem David Titlebaum, den Feinberg 2003 als Deutschland-Chef nach Frankfurt entsandt hatte, habe mit seiner „amerikanischen Dampfwalzenmanier“ potenzielle Geschäftspartner verschreckt, erzählt ein Investmentbanker. „Titlebaum brachte es fertig, in Meetings mit Dax-Vorständen diese nicht mal anzusehen. Statt dessen tippte er ständig auf seinem Blackberry.“
Als Cerberus mit Goldman Sachs die GSW übernahm, war der öffentliche Aufschrei über die Turbokapitalisten aus den USA groß. Dort heißen Investoren wie Cerberus „Vulture Fund“ – Geierfonds. Ihre Spezialität ist, Schulden angeschlagener Firmen aufzukaufen, diese in Kapitalanteile zu tauschen und so die Firmen unter Kontrolle zu bringen.
Von Öffentlichkeitsarbeit hält der Investor, der 13 Mrd. $ für seine Geldgeber wie US-Pensionsfonds verwaltet, nichts und hat nicht einmal einen Internetauftritt. Stattdessen versuchen die Amerikaner über Beziehungen an Deals heranzukommen. Im Beraterkreis soll neben dem Ex-HVB-Vorstand Claus Nolting auch ein früherer Allianz-Vorstand sein.
Als die Amerikaner im Oktober die HKB erwarben, war ihnen dies keine Mitteilung wert. Dabei könnten sie auch über die kleine Bank den Markt aufrollen. Genehmigt ihnen die Finanzaufsicht BaFin den Betrieb, kann der Höllenhund unbeschränkt Kredite kaufen und abwickeln.

Quelle: Financial Times Deutschland


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