R+V Leben hofft auf Versorgungswerke

Nach ihrem Einstieg in die Metallrente, dem von Arbeitgebern und IG Metall getragenen Versorgungswerk, sieht die R+V Versicherungsgruppe gute Chancen, auch in anderen Versorgungswerken zum Zuge zu kommen. „Wir wurden angesprochen“, sagte Frank-Henning Florian, Vorstandsmitglied der R+V Lebensversicherung. Bei der Metallrente wurde die R+V Partner, weil sie mit 4,5 Prozent eine deutlich bessere Verzinsung bietet als andere Metallrenten-Versicherer – vor allem die Victoria mit 3,4 Prozent. Die Münchener-Rück-Tochter musste ihren Anteil deshalb senken. „Die Versorgungswerke schauen genauer auf die Zinsen“, sagte Florian.
Die R+V kann sich die höhere Verzinsung leisten, weil sie dank einer kleineren Aktienquote weniger Altlasten aus dem Börsencrash wegräumen musste.
Konzernchef Jürgen Förterer sieht in der betrieblichen Altersversorgung besonders gute Chancen für das Unternehmen, das sich zu den größten fünf Versicherern in Deutschland zählt, in der Lebensversicherung sogar zu den größten drei. „Wir arbeiten eng mit den Firmenkundenabteilungen der Genossenschaftsbanken zusammen“, sagte er. Die R+V gehört zum genossenschaftlichen Verbund, die Abkürzung steht für Raiffeisen und Volksbanken. „Rund 90 Prozent unseres Lebensgeschäfts kommt von den Banken.“ In der Schaden- und Unfallversicherung seien es 65 Prozent.
Nach dem Schlussverkaufsjahr 2004, in dem Kunden noch das volle Steuerprivileg der Lebensversicherung nutzen konnten, erwartet Lebenschef Rainer Sauerwein für 2005 einen Rückgang im Neugeschäft von 30 bis 40 Prozent. Er zeigte sich wenig beunruhigt – wegen des Booms hatte die R+V das Neugeschäft 2004 um 49,6 Prozent auf 1,44 Mrd. Euro Neubeitrag gesteigert.
Die Gruppe meldete für 2004 ein Beitragswachstum von 11,9 Prozent auf 8,3 Mrd. Euro. Im Inland wuchs die R+V um 10,5 Prozent und damit deutlich über dem Markt, der um 2,9 Prozent zulegte. Der R+V-Konzern erzielte einen Überschuss von 95 Mio. Euro, nach 44 Mio. Euro 2003.
Mit dem Schaden- und Unfallgeschäft ist der Vorstand zufrieden, auch wenn die Schaden- und Kostenquote mit 94,7 Prozent der Beiträge über dem Branchenwert von 91 Prozent lag. Die Preise in der Autoversicherung seien jetzt da, wo sie hingehörten, sagte Vorstand Bernhard Meyer. Sorgen machen ihm die Gebäudedeckungen – vor allem hohe Wasserschäden gehen ins Geld. Die Leitungen aus Häusern, die zwischen 1960 und 1980 gebaut wurden, erweisen sich als besonders anfällig. Eigentlich müssten die Preise hier um 30 Prozent höher liegen, sagte Meyer, allerdings kann die R+V ihre meist lang laufende Verträge nicht einfach anpassen. Im Neugeschäft will sie in der Auswahl der Risiken vorsichtiger sein.

Quelle: Financial Times Deutschland


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