Reeder Maersk wappnet sich gegen Rivalen aus Asien

Die dänische Reederei AP Möller-Maersk will den niederländischen Konkurrenten Royal P&O Nedlloyd, die Nummer drei der Branche, übernehmen. Beide Unternehmen bestätigten gestern Gespräche über ein Zusammengehen. Eine Möller-Maersk-Sprecherin betonte, noch stehe nicht fest, dass die Überlegungen in einem Angebot für Nedlloyd münden würden. Weitere Details nannten die Unternehmen nicht. An der Börse wurde Nedlloyd gestern nach einem kräftigen Kurssprung mit rund 2 Mrd. Euro bewertet.
Maersk Sealand, die Container-Schifffahrtslinie der Möller-Maersk-Gruppe, ist schon heute der größte Anbieter der Branche. Die Gruppe gehört mehrheitlich der Familie des dänischen Milliardärs Maersk McKinney Möller. Seit der Übernahme der Volkswerft Stralsund aus der Konkursmasse des bankrotten Werftenverbundes Bremer Vulkan 1998 ist AP Möller auch in Deutschland aktiv.
Durch den Kauf würde Maersk den Abstand zur zweitplatzierten Mediterranean Shipping Company ausbauen. Mit Schiffsplatz für 1,5 Millionen Standardcontainer wäre das neue Unternehmen mehr als doppelt so groß, Maersk käme mit 18 Prozent auf einen beachtlichen Marktanteil in der fragmentierten Branche.
„Die Ankündigung kam überraschend“, sagte Tue Östergaard, Analyst der WestLB. Branchenkenner halten eine Konsolidierung der zersplitterten Branche für überfällig. Der Zeitpunkt ist für eine Übernahme aber nicht einfach, denn die Container-Schifffahrt steuert nach Ansicht der Experten nach drei Boomjahren mit Zuwachsraten von über zehn Prozent auf schwierigere Zeiten zu. „Die Gewinne dürften ab dem kommenden Jahr unter Druck kommen“, sagte Östergaard.
Beflügelt hat das Geschäft der rasant wachsende Chinahandel. Explosionsartig angestiegene Transportvolumen haben die Gewinne bei allen Reedereien in den vergangenen drei Jahren kräftig sprudeln lassen, so dass die Kassen für Übernahmen gut gefüllt sind. „Noch ist die Kapazität knapp, doch die Reeder haben eine Menge Schiffe bestellt“, sagte Menno Sanderse, Analyst bei Morgan Stanley. Nach Schätzungen des Branchenspezialisten Clarkson Research entsprechen die Aufträge, die derzeit bei den Werften liegen, über 50 Prozent der heute vorhandenen Transportkapazität.
„Maersk kann im Falle eines Kaufes Synergien realisieren“, sagte Östergaard. Außerdem stocke das Unternehmen seine Ladekapazität weiter auf. Allerdings werde die Integration nicht einfach, erwartete der Analyst.
Maersk gilt als gut geführtes Unternehmen, dass bei den Verladern für seine Zuverlässigkeit geschätzt wird. Die Dänen, die 1999 die US-Reederei Sealand übernommen haben, verfügen über eine moderne Flotte. Mit einer Umsatzrendite von zehn Prozent im vergangenen Jahr sind sie deutlich profitabler als Nedlloyd, die nur sechs Prozent schafften.
In der Branche wurden die Übernahmegespräche als Versuch gewertet, die Weltmarktführerschaft gegen die rasch wachsende asiatische Konkurrenz zu verteidigen. Die europäischen Container-Reedereien sind in den vergangenen Jahren durch die Konkurrenz aus China und Singapur unter Druck geraten; mit dem wirtschaftlichen Aufschwung Chinas wuchs auch die Schifffahrt unter asiatischer Kontrolle. Chinesische Reedereien waren die ersten, die die neuen Super-Schiffe mit einer Kapazität von 10 000 Containern bestellten.
Die beiden größten deutschen Reedereien, Hapag-Lloyd und Hamburg-Süd, wollten sich gestern nicht zu möglichen Auswirkungen der Übernahme äußern. Beide Unternehmen spielen innerhalb der Branche nur im Mittelfeld.
An der Börse kam die Übernahmeidee gut an. Die Aktien von AP Möller verteuerten sich um 4,8 Prozent auf 54 600 Kronen (7339,90 Euro). Die Papiere von Nedlloyd legten 23 Prozent auf 51,05 Euro zu.

Quelle: Financial Times Deutschland


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