Riester-Zuschüsse erreichen Bedürftige

Zulagenstelle legt erste Zahlen vor · Gutes Altersvorsorgegeschäft erwartet

Von Timo Pache, Berlin, und Anja Krüger, Köln Die umstrittene staatliche Förderung der privaten Altersvorsorge ist erfolgreicher als bisher angenommen. Nach Statistiken der Zentralen Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA) stammen rund 70 Prozent der Förderanträge von Durchschnitts- und Geringverdienern. „Nur 30 Prozent der Anträge kommen von Beziehern überdurchschnittlicher Einkommen“, sagte Ulrich Stolz von der ZfA. Die Mehrheit der Anträge stamme zudem von Menschen aus Ostdeutschland beziehungsweise von Frauen, die wegen ihrer geringen Altersvorsorge besonders auf Zuschüsse angewiesen seien, so Stolz.

Diese erste Auswertung der Anträge schwächt die jahrelange Kritik an der staatlich geförderten Riester-Rente. Erst gestern kritisierte eine Studie des von der Deutschen Bank finanzierten Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) die staatlich geförderte private Altersvorsorge. Zwar sei die Riester-Rente ein „gutes Produkt“, aber die Zuschüsse seien noch immer zu kompliziert und gingen an den Bedürftigen vorbei, sagte DIA-Sprecher Bernd Katzenstein.

Tatsächlich gibt es bei der Riester-Förderung noch zahlreiche Ungereimtheiten. So stehen den zwei Millionen bisher eingereichten Förderanträgen bei der ZfA rund 3,9 Millionen abgeschlossene Riester-Verträge und 2,4 Millionen andere Vorsorge-Verträge gegenüber. Die Lücke zwischen den Vertragsabschlüssen und den Förderanträgen kann bislang aber niemand erklären.

„Wir halten diese Lücke für ein Anfangsproblem“, sagte ZfA-Experte Stolz. So lägen lediglich für 2002 gesicherte Zahlen vor – für die Jahre 2003 und 2004 könnten noch immer staatliche Zuschüsse beantragt werden. Angesichts von über 1,5 Millionen bisher eingetroffenen Anträgen für 2003 rechne er aber bereits mit einem deutlichen Zuwachs, sagte er.

Benannt nach dem damaligen Sozialminister Walter Riester hatte die rot-grüne Koalition für die neue private Altersvorsorge ein milliardenschweres Förderpaket beschlossen. Doch die hohen Erwartungen – die Versicherer rechneten binnen kurzem mit Riester-Verträgen in zweistelliger Millionenhöhe – wurden schnell enttäuscht. 2002 wurden knapp drei Millionen Policen verkauft. Seither dümpelt der Vertrieb vor sich hin. 2003 und 2004 setzte die Assekuranz nur 820 000 Policen ab.

Nachbesserungen auf Druck der Versicherungswirtschaft, die seit dem 1. Januar 2005 gelten, sollen den Verkauf ankurbeln. Kunden müssen die Anträge für die Zulagen nur noch einmal und nicht mehr jährlich stellen. Außerdem wurden die Anreize für die Vertriebe erhöht. Die Versicherer dürfen den Kunden die Vertriebskosten etwa für ihre Vertreter nun über fünf statt zuvor über zehn Jahre verteilt berechnen.

„Es braucht einige Zeit, bis sich die Verbesserungen auswirken“, sagte ein Sprecher des Gesamtverbands der Versicherungswirtschaft (GDV). Aber schon jetzt seien Zuwächse absehbar. Im 1. Quartal 2005 verkaufte die Branche nach Angaben des GDV 90 000 Policen gegenüber 74 500 in den ersten drei Monaten 2004. Versicherer wie die Allianz rechnen insbesondere gegen Ende des Jahres mit einer starken Nachfrage von Männern, da ihre Beiträge mit der Einführung von Unisex-Tarifen in der Riester-Rente ab 2006 um bis zu 15 Prozent steigen dürften.

Quelle: Financial Times Deutschland


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