AIG-Skandal zwingt Aufsichtsrat der Kölnischen Rück zur Aufgabe

Ronald Ferguson, der frühere Konzernchef der General Re, ist als Aufsichtsratsmitglied der Kölnischen Rückversicherung zurückgetreten. Das bestätigte das Unternehmen auf Anfrage der FTD. Ferguson ist in den Skandal um Bilanzfälschungen des US-Versicherers American International Group (AIG) verwickelt.
Allerdings steht der Manager bisher weiterhin auf der Liste der Kandidaten für den neuen Aufsichtsrat, der bei der Hauptversammlung am 29. Juni gewählt werden soll. In der vom 11. Mai datierten Einladung wird Ferguson vorgeschlagen. Für eine revidierte Einladung ist es zu spät. Um seine Wahl zu verhindern, muss Großaktionär General Re möglicherweise einen Gegenantrag zum Vorschlag des Vorstands der Kölnischen Rück stellen. Das Unternehmen wollte dazu nicht Stellung nehmen.
Die General Re hält 92 Prozent an der Kölnischen Rück und gehört ihrerseits zu Warren Buffetts Berkshire Hathaway. General Re und Kölnische Rück treten im Markt als Gen Re auf.
AIG hatte 2000 und 2001 über zwei als Rückversicherungsverträge getarnte Finanztransaktionen mit Gen Re die Reserven um 500 Mio. $ aufgeblasen, um die Aktienmärkte zu beruhigen. Laut Klageschrift des New Yorker Generalstaatsanwalts Eliot Spitzer hat der damalige AIG-Chef Maurice Greenberg das Geschäft persönlich in einem Telefongespräch mit Ferguson eingeleitet.
Ferguson ist seit 2002 im Ruhestand und fungierte bis vor wenigen Wochen als Berater für Gen Re. Der Rückversicherer kündigte die Vereinbarung jedoch fristlos, als Ferguson Ende Mai gegenüber US-Behörden die Aussage verweigerte, um sich selbst nicht zu belasten. Damit, so Gen Re, habe der frühere Vorstandsvorsitzende die Linie des Unternehmens verlassen, vollständig mit den Behörden zusammenzuarbeiten.
Auch von seinem erst 2004 eingenommenen Posten als Mitglied des Boards des US-Versicherers Hartford trat Ferguson inzwischen zurück. Dass sich Staatsanwalt und Börsenaufsicht auf den Ex-Boss konzentrieren, kommt dem heutigen Konzernlenker Joseph Brandon zu Gute. Er war zur fraglichen Zeit Finanzchef.
Die dubiosen Geschäfte der Gen Re mit AIG wurden über die Cologne Re Dublin abgewickelt, eine Tochter der Kölnischen Rück. John Houldsworth, der von Mai 1990 bis Juni 2001 Chef der Cologne Re Dublin war, gestand am Montag gegenüber US-Behörden die Beteiligung an einer Verschwörung zum Zweck des Bilanzbetrugs bei AIG. Der Manager wurde sofort fristlos von Gen Re/Kölnischer Rück entlassen. Im Mai war er mit voller Bezahlung freigestellt worden.

Quelle: Financial Times Deutschland


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