VW ringt Allianz Zugeständnisse beim Auto-Vertrag ab

Die Allianz-Versicherung steht kurz vor der Unterzeichnung eines neuen Rahmenvertrags mit dem Volkswagen Versicherungsdienst (VVD). Der VVD ist einer der wichtigsten Großvermittler in der Autoversicherung mit Verträgen über insgesamt 1,1 Millionen Fahrzeuge. Die Unterzeichnung eines Vorvertrags (Letter of Intent) stehe kurz bevor, hieß es in Versicherungskreisen.
Nach Informationen der FTD hat sich die Allianz die Fortsetzung des Vertrags mit weitgehenden Zugeständnissen erkämpfen müssen. Der VW-Vertrag sei heiß umkämpft, hieß es im Markt. Unter anderem soll sich die Zurich-Gruppe angeboten haben. Ein Sprecher der Zurich dementierte das allerdings. Zu den Zugeständnissen gehörten die Beteiligung des Vermittlers an dem Gewinn aus den Verträgen und eine Beteiligung an Kapitalerträgen aus den Schadenreserven, heißt es. Die Allianz soll auch zugestimmt haben, dass die Reparatur von Unfallfahrzeugen in VW-Werkstätten begünstigt wird.
VVD ist ein reiner Makler, will aber weg von der Rolle des bloßen Vermittlers und Einfluss auf die Vertragsgestaltung nehmen. Das Hauptgeschäft kommt von Kunden der VW-Autohäuser, die beim Autokauf gleich eine Versicherung mitordern. Seit mehr als 50 Jahren vermittelt das Unternehmen fast nur an die Allianz.
Für deren Deutschlandchef Reiner Hagemann ist der Vertrag mit VW von größter Bedeutung. Der Marktführer in der Autoversicherung, der rund 8,8 Millionen Fahrzeuge versichert, steht unter heftigem Konkurrenzdruck. Deshalb hatte die Allianz im September 2004 die Preise gesenkt und jetzt die Einführung eines günstigeren Zweittarifs sowie eines noch billigeren Internet-Abschlusses angekündigt. Beides wird von den machtvollen Vertretervereinigungen der Allianz vehement bekämpft.
Würde die Allianz den VW-Vertrag verlieren, wären zwar nicht automatisch alle 1,1 Millionen Kunden weg, denn der Bestand bliebe bei dem Versicherer. Ein solcher Bestand schlägt sich aber über rund vier Jahre einmal um. Mit 1,1 Millionen Verträgen weniger geriete die Allianz dann in Reichweite des Marktzweiten HUK-Coburg, der jetzt 7,2 Millionen Fahrzeuge versichert.
Partnerschaften mit Autoherstellern sind in der Assekuranz begehrt, weil sie viel Volumen bringen. Sie sind aber nicht problemlos: Großvermittler wie VVD haben viele Sonderwünsche, die Margen sind deutlich knapper als mit normalen Privatkunden. Vertriebspartnerschaften bestehen etwa zwischen der Münchener-Rück-Tochter Victoria und BMW und zwischen der Nürnberger-Gruppe und Ford. HDI hat einen Vertrag mit DaimlerChrysler.
Die Autoindustrie versucht, im Finanzierungs- und Versicherungsgeschäft ihre Position auszubauen, um die knappen Gewinne aus dem eigentlichen Autobau aufzubessern. Die so genannte Penetrationsrate, also der Finanzierungsanteil am Kfz-Absatz, beträgt bei VW im Inland rund 60 Prozent, die Tendenz ist stark steigend.
Bei Versicherungen allerdings liegt die Rate nur bei rund einem Drittel. Hier setzt VW jetzt an. Die VW-Absatzstrategie besteht darin, dem Kunden Finanzierungspakete anzubieten, in denen alles enthalten ist. Gleichgültig, ob es sich um ein Fahrzeug im Wert von 20 000 Euro oder 100 000 Euro handelt – VW bietet einen Monatspreis inklusive Leasing- oder Finanzierungsraten und Versicherung. Der Versicherungsschutz spielt daher bei der Preisgestaltung eine wichtige Rolle.
Die Allianz wollte die Informationen nicht bestätigen. „Ich kann nur sagen, dass die Verhandlungen fortgeschritten sind“, sagte ein Sprecher. „Wir wollen die Zusammenarbeit noch deutlich intensivieren.“ Ähnlich äußerte sich ein Sprecher für Volkswagen Financial Services, die Muttergesellschaft des VVD im VW-Konzern. „Es ist bekannt, dass wir auf Grund unserer langjährigen Partnerschaft mit der Allianz eine Zusammenarbeit anstreben“, sagte er. Das sehe das Unternehmen nach wie vor so. „Dass die Unterzeichnung eines Letter of Intent kurz bevorsteht, können wir nicht bestätigen.“

Quelle: Financial Times Deutschland


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