Gothaer verhandelt mit neuem Kaufkandidaten

Der Versicherungskonzern Gothaer plant weitere Zukäufe. Nach der Übernahme der MLP Versicherung für 14 Mio. Euro im Juni kündigte Vorstandschef Werner Görg erneute Bestands- und Unternehmensübernahmen an.
Einzelheiten wollte er nicht nennen. „Zurzeit spricht jeder mit jedem“, sagte Görg gestern. Nach Informationen der FTD aus Versicherungskreisen steht die Gothaer unter anderem in Verhandlungen mit den Eignern der Hamburger Versicherung AG (HVAG). Der kleine Spezialversicherer konzentriert sich auf die Transportversicherung und kommt auf eine Jahresprämie von rund 10 Mio. Euro. Die Gothaer hatte bereits Mitte 2004 den Versicherungsbestand der HVAG außerhalb der Transportversicherung übernommen. Für Konzernchef Görg dürften kleinere Übernahmen wie die der MLP Versicherung und möglicherweise von HVAG allerdings nur ein Zwischenschritt sein. Er glaubt fest daran, dass sich der Versicherungsmarkt in einem weitreichenden Umbruch befindet.
Die Konsolidierung sei erst recht im Lager der Versicherungsvereine nötig, sagte Görg. Das sind Konzerne, die keine Aktionäre haben, sondern ihren Mitgliedern (Kunden) gehören. Neben der Gothaer gehören Talanx/HDI, Debeka, Signal Iduna und HUK Coburg zu den großen Gruppen, die von Versicherungsvereinen geführt werden. Durch die Marktentwicklung und die Einführung der neuen EU-weiten Eigenkapitalvorschriften nach Solvency II werde sich das Umfeld für die Assekuranz dramatisch ändern. „Ruhe gibt es bei keinem Versicherungsunternehmen“, sagte Görg.
Die Gothaer sei auf Erfolgskurs. Nach einem Konzernverlust von 198 Mio. Euro im Jahr 2002, als die Aktienkrise die Gothaer beutelte, ist sie jetzt wieder bei einem Gewinn von 81 Mio. Euro gelandet, deutlich über den 46 Mio. Euro in 2003. „Für 2005 erwarten wir 100 Mio. Euro“, sagte Görg. Zu den Prämieneinnahmen wollte er nichts sagen, „das hängt auch von unseren Übernahmegesprächen ab“. 2004 erzielte der Konzern 4,07 Mrd. Euro, ein leichter Rückgang um 1,7 Prozent. Grund sei die Aufgabe des Rückversicherungsgeschäfts.
„Der Konzern ist wetterfest“, sagte Görg. Mit einer Reihe von teils drastischen Programmen wurden die Kosten gesenkt, hilfreich war auch das stabile Preisumfeld. Die Schaden-und Kostenquote der Gothaer Allgemeine betrug 2004 nur 90,5 Prozent der Beitragseinnahmen, nach 89,4 Prozent im Vorjahr. Die Gothaer lag damit deutlich besser als die meisten Konkurrenten. Allerdings kommt sie jetzt unter Preisdruck und musste die Autotarife um fünf Prozent senken. Außerdem führte sie einen billigeren Zweittarif ein, ähnlich wie die Allianz. Dafür erhalten die Vertreter zurzeit noch acht Prozent Provision, denselben Satz wie für den Normaltarif. Ab 2006 werde er halbiert, sagte Vertriebschef Ron van het Hof.
In der Lebensversicherung ist der Konzern stolz auf das 2004 erzielte Neugeschäft und die sinkenden Kostenquoten. Negativ zu Buche schlug eine hohe Steuerlast von 37 Mio. Euro. Die Sparte verbuchte 2004 einen Verlust von 30 Mio. Euro, nach 88 Mio. Euro Gewinn im Vorjahr.
Auch beim Krankenversicherer müssen sich die Umbaumaßnahmen erst noch in Erfolgszahlen verwandeln. Das Unternehmen verlor 2004 erneut Kunden in der wichtigsten Sparte Krankheitsvollversicherung – statt 170 000 waren noch 160 000 Kunden versichert. In zwei Jahren hat die Gothaer Kranken damit 30 000 Kunden verloren. Vorstand Michael Kurtenbach kündigte für 2005 die Wende an: Seit Jahresanfang lege das Unternehmen im Neugeschäft zu.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv