Allianz steigt bei chinesischer Bank ein

Investmentbank Goldman Sachs und Versicherer wollen knapp zehn Prozent an Industrial and Commercial Bank of China kaufen

Von Francesco Guerrera, Hongkong, Patrick Jenkins, Frankfurt, und Anja Krüger, Köln Die Investmentbank Goldman Sachs und der Versicherungskonzern Allianz stehen offenbar vor der Übernahme von 9,9 Prozent an der Industrial and Commercial Bank of China (ICBC), der größten chinesischen Bank. Dabei könnte es um ein Volumen von bis zu 3,5 Mrd. $ gehen. Die Gespräche zwischen ICBC und einem Konsortium aus dem Private-Equity-Bereich von Goldman Sachs und Allianz seien weit fortgeschritten, hieß es in Finanzkreisen. „Die Verhandlungen haben erheblich an Dynamik gewonnen.“ Goldman Sachs und Allianz lehnten einen Kommentar ab.

Die ICBC ist eine der vier staatlichen Banken Chinas und gemessen an den Vermögenswerten die größte. Goldman Sachs und Allianz wollen für die Beteiligung nicht auf Eigenkapital zurückgreifen, hieß es in den Kreisen. Es handele sich um eine Private-Equity-Investition. Die Mittel für den Kauf stammen von Kunden, die in Risikokapitalfonds investieren. Die Allianz will ihren Anteil über die Tochter Allianz Capital Partners (ACP) kaufen. „Für die Allianz ist das kein strategischer Einstieg ins chinesische Bankgeschäft“, hieß es. Die Allianz wolle den Vertrieb über die ICBC ausbauen, mit der sie bereits beim Verkauf von Investmentfonds kooperiert. Beobachter schließen aber nicht aus, dass die ACP den Anteil später an die Allianz weitergibt und damit aus dem Kauf doch eine strategische Beteiligung wird.

Aus unternehmensnahen Kreisen war zu hören, dass sich möglicherweise andere Investoren aus dem Private-Equity-Lager an dem Konsortium beteiligen. Das Geschäft sei noch nicht in trockenen Tüchern und könne noch scheitern. Auch andere ausländische Konzerne sollen an der ICBC interessiert sein, etwa der Finanzkonzern American Express und die Banken Credit Suisse und Fortis.

Die Gespräche von ICBC, Allianz und Goldman Sachs finden in einer Atmosphäre des gesteigerten internationalen Interesses an den vier großen chinesischen Banken statt. Die Royal Bank of Scotland wird möglicherweise schon in dieser Woche die Übernahme von zehn Prozent an der kleineren Bank of China für rund 2,5 Mrd. $ bekannt geben. Die Bank of America will 3 Mrd. $ für neun Prozent an der China Construction Bank ausgeben. Aber während sich Bank of China und China Construction Bank auf eine Börsennotierung im Ausland vorbereiten, ist das bei der ICBC nicht der Fall.

Die ICBC ist zurzeit in einem Umbauprozess, mit dem das Management überkommene Geschäftspraktiken abschaffen und notleidende Kredite reduzieren will. Ein Börsengang ist erst ab 2007 wahrscheinlich. Goldman Sachs und Allianz sichern sich durch ihren frühen Einstieg einen niedrigeren Preis, gehen aber das Risiko ein, dass der Börsengang verschoben wird.

Das Interesse von Goldman Sachs an der ICBC hat zu Auseinandersetzungen um den Börsengang der Bank of China geführt, den Goldman Sachs begleitet. Konkurrenten der Investmentbank verlangen, dass sie wegen eines möglichen Interessenkonflikts das Mandat beim Börsengang zurückgibt. Bei Goldman Sachs heißt es, die Private-Equity-Tochter arbeite separat von der Investmentbank. Außerdem sei die Bank of China über die ICBC-Pläne immer voll unterrichtet gewesen.

Zitat:

„Die Verhandlungen haben erheblich an Dynamik gewonnen“ – Finanzkreise

Quelle: Financial Times Deutschland


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