Glauben ist gut, Versichern ist besser

Die Organisatoren des Weltjugendtags in Köln kaufen ihren Versicherungsschutz bei der Allianz

Von Anja Krüger, Köln Der Weltjugendtag verhilft dem Versicherungskonzern Allianz zu einem besseren Image. Die Konzerntochter Elvia-Reisekrankenversicherung hatte zuletzt damit zu kämpfen, dass sie in der Visa-Affäre eine Rolle spielte. Mit Hilfe von Elvia-Reiseschutzbriefen sollen Ukrainer unrechtmäßig Einreisegenehmigungen nach Deutschland bekommen haben.

Jetzt versichert die Elvia Pilger beim katholischen Weltjugendtag. Der Verband der deutschen Diözesen und das Erzbistum Köln haben für das katholische Großereignis eine GmbH gegründet, die mit der Elvia einen Rahmenvertrag geschlossen hat. Junge Pilger, die an dem Ereignis im Rheinland teilnehmen, sind mit ihrer Anmeldung beim Weltjugendtags-Büro automatisch bei der Elvia unfallversichert, Gläubige aus dem Ausland erhalten zusätzlich eine Krankenversicherung.

„Fünf bis sieben Prozent des Teilnahmebeitrags entfallen auf den Versicherungsschutz“, berichtet Hermann-Josef Johanns, Geschäftsführer der Weltjugendtags-GmbH. Die Veranstalter rechnen mit 400 000 Teilnehmern, die je nach Leistungspaket 40 Euro bis 169 Euro zahlen.

Pilger von den Philippinen oder aus afrikanischen Ländern haben es allerdings trotz des angebotenen Versicherungsschutzes nicht geschafft, ein deutsches Visum zu bekommen. Möglicherweise seien Mitarbeiter deutscher Konsulate im Ausland besonders kritisch, wenn sie die Versicherungspapiere der Antragsteller sähen, mutmaßen Spötter.

Über die Elvia sind auch die erwarteten 600 Kardinäle, Bischöfe und anderen Würdenträger der katholischen Kirche versichert. Das gilt nicht für Papst Benedikt XVI. Insider vermuten, dass das Kirchenoberhaupt überhaupt nicht krankenversichert ist. Der Vatikan lehnt jede Stellungnahme ab.

Bevor Geschäftsführer Johanns zum Weltjugendtag wechselte, war er Vorstand beim Kölner Versicherungskonzern Gerling. An seinen aktuellen Job kam er über einen Headhunter.

Sämtliche Versicherungen haben die Veranstalter aber nicht bei Johanns‘ ehemaligem Arbeitgeber, sondern bei der Münchner Allianz eingekauft. Zu Deckungssummen und Prämien wollen sich beide Seiten nicht äußern. Der Versicherungsschutz greift weit. Die Veranstalter mussten für die Errichtung des so genannten Papsthügels auf einem ehemaligen Braunkohletagebau bei Frechen eine Bauherrnhaftpflichtversicherung abschließen. Dort soll die Abschlussmesse mit dem Kirchenoberhaupt stattfinden.

Auf dem Gelände ließen die Veranstalter 5500 Lastwagenladungen Erdreich aufschütten und eine riesige überdachte Bühne errichten. Der Kölner Kardinal Joachim Meisner weihte das Gelände, Abgesandte von Bischofskonferenzen aus 70 Nationen leerten Säckchen mit Heimatboden aus.

Rund um den Weltjugendtag sind noch keine Schäden gemeldet worden, heißt es bei der Allianz. Für das eigentliche Ereignis hat der Weltjugendtag eine Veranstalterhaftpflichtversicherung abgeschlossen. Damit sichert er sich zum Beispiel gegen Ansprüche für den Fall ab, dass eine der 42 Großleinwände bei der Abschlussmesse auf Gläubige stürzt. Eingekauft haben die Veranstalter auch eine Transport- und eine Rechtsschutzdeckung. „Das sind die klassischen Versicherungen wie bei einem Open-Air-Konzert“, sagte ein Allianz-Sprecher. Einen Unterschied zu anderen Großereignissen gibt es: Eine Veranstaltungs-Ausfallversicherung wurde nicht abgeschlossen.

Der Kirchenversicherer Bruderhilfe ist am Weltjugendtag nicht geschäftlich, sondern nur missionarisch beteiligt. „Das wäre ja Industriekundengeschäft, wir machen aber nur Privatkundengeschäft“, heißt es dort. Die zur HUK-Coburg gehörende Gesellschaft stiftet 200 000 Gebetskärtchen mit einem christlichen Segen in sieben Sprachen für die Pilger und ein Verzeichnis der deutschen Autobahnkirchen für die mehr als 6000 akkreditierten Journalisten.

Zitat:

„Versicherungen wie bei einem Open-Air- Konzert“ – Allianz-Sprecher

Bild(er):

Reisende mit Botschaft: US-amerikanische Teilnehmer am katholischen Weltjugendtag kommen auf dem Kölner Flughafen an – ddp/Torsten Silz

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv, RTF Import