„Katrina“ kostet Versicherer bis zu 20 Mrd. Dollar

Allein in Mississippi mindestens 80 Todesopfer

Von Tim Höfinghoff, New York, Herbert Fromme, Köln, und Christiane Karweil, Berlin Der Hurrikan „Katrina“ wird nach Schätzungen des weltgrößten Rückversicherers Münchener Rück die Branche insgesamt 15 bis 20 Mrd. $ kosten. Der Marktführer selbst werde rund 400 Mio. Euro zahlen müssen, bekomme aber einen Teil von anderen Rückversicherern zurück, sagte ein Sprecher. Die Aktie legte gestern in einem leicht schwächeren Dax 0,3 Prozent zu.

Bislang war „Andrew“ 1992 mit 21,5 Mrd. $ der für die Versicherer teuerste Wirbelsturm. Die Schätzung des Gesamtschadens bei „Katrina“ beruhe auf Erfahrungen sowie Daten der Georisiko-Forschungsabteilung, sagte der Sprecher. Der volkswirtschaftliche Schaden bei schweren Stürmen liegt oft mindestens beim Doppelten der versicherten Summe.

Eqecat, ein US-Unternehmen für Katastrophenmodellrechnungen für die Versicherer, hat seine Schätzungen inzwischen nach unten revidiert. Es geht jetzt von einem versicherten Schaden zwischen 9 und 16 Mrd. $ aus – nach zunächst 30 Mrd. $.

New Orleans überflutet

Die größten Versicherer im Gebäude- und Kraftfahrtgeschäft im schwer betroffenen Staat Louisiana sind State Farm und Allstate. „Bisher haben wir noch keine Schätzungen über die gesamte Schadenssumme“, sagte Laura Margolis von Allstate der FTD. Bei dem Versicherer stehen 1300 Schadenregulierer bereit, um die Arbeit in der vom Orkan verwüsteten Region aufzunehmen.

In Mississippi ist die Zahl der Todesopfer nach Angaben von Gouverneur Haley Barbour auf mindestens 80 gestiegen. Aus Louisiana gab es noch keine bestätigten Zahlen. Der Bürgermeister von New Orleans, Ray Nagin, berichtete jedoch, Leichen würden in den überfluteten Straßen der Großstadt treiben. Die Wassermassen rissen ein etwa 60 Meter langes Loch in den Deich zum Pontchartrain-See. 80 Prozent der Stadt standen unter Wasser.

Ölpreis erreicht neuen Rekord

Der Ölpreis erreichte gestern Abend erneut ein Rekordhoch. Der Oktober-Terminkontrakt auf leichtes US-Öl stieg bis auf 70,85 $ pro Barrel (159 Liter). Superbenzin kostete an deutschen Tankstellen mit 1,32 Euro so viel wie nie zuvor. Im Golf von Mexiko werden derzeit nur acht Prozent der üblichen Rohölmenge gefördert.

„Kurzfristig wird die US-Wirtschaft geschädigt“, sagte Joe LaVorna, Volkswirt bei der Deutschen Bank in New York. So werde es zu Miet- und Einkommensausfällen kommen. Überdies könnte der Ölpreis weiter hoch bleiben, da ein Drittel aller US-Energieimporte in Louisiana eintreffen. David Milleker von der Allianz Gruppe geht davon aus, dass das US-Wachstum im laufenden Quartal um 0,2 Prozentpunkte geringer ausfallen könnte. Der Wiederaufbau könnte die US-Wirtschaft aber beleben: „Mittelfristig überwiegen die positiven Effekte leicht“, sagte LaVorna.

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Leitartikel Seite 27

Quelle: Financial Times Deutschland


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