Swiss Re verkraftet „Katrina“ gut

Schweizer sehen Jahresergebnis nicht gefährdet · Rückversicherer bewerten die Auswirkungen des Hurrikans unterschiedlich

Von Herbert Fromme, Köln Die Swiss Re erwartet eine Schadenbelastung von 500 Mio. $ aus dem Hurrikan „Katrina“. Den Gesamtschaden für die Versicherungswirtschaft schätzt der zweitgrößte Rückversicherer der Welt auf 20 Mrd. $. Am Montag hatte die Münchener Rück ebenfalls einen Gesamtschaden von 20 Mrd. $ und eine Belastung des eigenen Unternehmens mit 400 Mio. Euro bekannt gegeben. Ein nicht bezifferter Teil davon wird von anderen Rückversicherern gezahlt, bei denen die Münchener Rück ihrerseits Schutzdeckungen gekauft hatte.

„Das haben wir nicht“, sagte ein Sprecher der Swiss Re. Das Unternehmen habe sich über Katastrophenverbriefungen gegen Megaschäden gesichert. „Es sieht aber so aus, als ob die Schwellenwerte für die Bonds durch ,Katrina‘ nicht erreicht werden“, sagte er. Das Jahresergebnis der Swiss Re werde durch den Schaden nicht beeinträchtigt. Die Aktie des Unternehmens stieg leicht um 0,3 Prozent auf 81 Franken.

Am Mittwoch hatte der viertgrößte Rückversicherer Hannover Rück mitgeteilt, es sei wegen der Sturmschäden „extrem unwahrscheinlich“, dass er das für 2005 erwartete Nettoergebnis von 430 Mio. bis 470 Mio. Euro erreichen werde. Zahlen über die mögliche Belastung durch „Katrina“ legte die Hannover Rück noch nicht vor. Gestern verlor das Papier 1,0 Prozent auf 28,82 Euro.

Für die Rückversicherer ist die schnelle, grobe Schätzung von Großschadenbelastungen ein sehr heikles Thema. Einerseits leben gerade sie von Großschäden. Ohne Katastrophen könnten sie ihre Deckungen nicht verkaufen. Ohne Schäden keine Versicherung, das gilt erst recht für die Großhändler des Risikoschutzes. Andererseits sind die Rückversicherer auf das Wohlwollen der Anleger angewiesen – sie brauchen viel Kapital, um ihr Geschäft zu unterlegen. Die Börse aber liebt die in diesem Geschäft steckende hohe Volatilität der Ergebnisse überhaupt nicht. In den letzten Monaten haben sich die Aktienkurse der Rückversicherer deutlich schlechter als der Dax entwickelt. Swiss Re und Hannover Rück sind im Vergleich zum Jahresanfang leicht im Minus, der Dax legte dagegen fast 14 Prozent zu. Die Gesellschaften suchen verzweifelt nach Rezepten, den Anlegern ihre Geschäftsmodelle schmackhaft zu machen. Einer der Gründe für die Auswechslung von John Coomber durch Jacques Aigrain an der Spitze der Swiss Re ist Coombers mangelnde Fähigkeit, die Begeisterung der Börsianer zu wecken.

Moderate Schadensprognosen haben den Zweck, die Anleger zu beruhigen. Sehr negativ auf das Vertrauen wirkt es sich aber aus, wenn die Schätzung sich später als zu niedrig herausstellt. Die schnelle Unterrichtung hat sich für Swiss Re und Münchener Rück bisher ausgezahlt. Beide Werte legten gestern sogar leicht zu.

Schweigsam sind die Bermuda-Gesellschaften. Da ihr Geschäftsschwerpunkt die Katastrophenrückversicherung ist, dürften sie beträchtliche Schadensummen verzeichnen. Das könnte für die Branche insgesamt hilfreich wirken. Denn die Bermuda-Gesellschaften hatten zuletzt so gut verdient, dass sie über überschüssiges Kapital klagten. Einige von ihnen wollten dieses Kapital für eine Ausweitung ihrer Tätigkeit in die Geschäftsgebiete nutzen, die von den traditionellen Rückversicherern besetzt sind. Dem dürfte „Katrina“ einen Riegel vorgeschoben haben. Das könnte zur Stabilisierung der weltweit auf Talfahrt befindlichen Preise für Versicherungs- und Rückversicherungsschutz führen.

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Trümmer statt Häusern im Zerstörungsgebiet: Schäden wie der durch den Hurrikan „Katrina“ belasten Rückversicherer, aber unterschiedlich schwer – AP/Christy Pritchett

Quelle: Financial Times Deutschland


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