Allianz investiert mit mehr Risiko

Konzern bündelt alternative Anlagen in neuer Holding · Ex-Dresdner-Vorstand Karl Ralf Jung übernimmt Leitung

vON Angela Maier, Frankfurt,und Herbert Fromme, Köln Der Münchner Finanzkonzern Allianz forciert sein Geschäft mit alternativen Kapitalanlagen. Dafür bündelt die Allianz alle ihre entsprechenden Aktivitäten in einer neu gegründeten Holding, der Allianz Alternative Assets Holding (AAA-Holding). Diese solle „die Anlage in alternative Investments innerhalb der Allianz Gruppe koordinieren und erweitern“, teilte die Allianz gestern mit. Zu alternativen Anlagen zählen außerbörsliches Beteiligungskapital (Private Equity), Hedge-Fonds und Immobilien.

Mit dem geplanten Ausbau vor allem des Private Equity reagiert die Allianz auf die andauernde Niedrigzinsphase und volatilere Aktienmärkte. Dies hatte es zuletzt schwierig gemacht, die Prämien der Kunden mit hoher Rendite anzulegen. Die Alternativanlagen gelten zwar als riskanter, erwirtschaften aber im Durchschnitt höhere Renditen.

Die neue AAA-Holding wird nach Marktschätzungen Vermögenswerte von mehr als 25 Mrd. Euro managen, etwa fünf Prozent aller konzerneigenen Anlagen der Allianz. Damit wird sie einer der größten Verwalter alternativer Assets in Deutschland.

Ihre Leitung übernimmt Anfang Januar Karl Ralf Jung, zuletzt bei der Dresdner Bank Firmenkundenvorstand. Jungs Wechsel zur Konzernmutter nach München war schon im Frühjahr veröffentlicht worden, allerdings ohne eine neue Aufgabe zu nennen. Zweiter Geschäftsführer wird Thomas Pütter. Pütter investiert als Chef der Allianz-Tochter Allianz Capital Partners (ACP) in Übernahmen nicht börsennotierter Unternehmen (Buy-outs) und ist Vorsitzender des Bundesverbands Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften.

Die Allianz habe in den vergangenen Jahren verschiedene Aktivitäten aufgebaut, die nun gebündelt und integriert werden sollten, erklärte Allianz-Finanzvorstand Paul Achleitner. Die AAA-Holding übernimmt die Verantwortung für die Töchter Allianz Immobilien, ACP, Allianz Private Equity Partners (Investitionen in Private-Equity-Fonds), Aequitas (Aktienanlagen, bei denen die Strategie nicht an den üblichen Benchmarks ausgerichtet wird) und KG Allgemeine Leasing (KGAL). In Hedge-Fonds wolle man auch in der neuen Struktur nicht investieren, sagte eine Sprecherin.

Der Konzern will seinen Versicherern weltweit integrierte Konzepte für alternative Anlagen liefern. „Durch die zunehmende Bedeutung von alternativen Investments werden wir unseren internen und externen Investoren ein besseres Risiko-Ertrags-Verhältnis anbieten können“, so Achleitner. Mit diesem Fokus ist die Allianz ein Vorreiter in der deutschen Versicherungsbranche. Die Versicherer scheuen alternative Anlagen und haben stattdessen in der Regel mehr als 80 Prozent ihrer Finanzanlagen in Staatsanleihen und andere festverzinsliche Papiere investiert. Doch für Neuanlagen erhalten sie heute kaum mehr als 3,5 Prozent – genau den Satz, den Lebensversicherer im Schnitt ihren Kunden als garantierten Zins gutschreiben müssen.

Allerdings waren bisherige Erfahrungen gerade mit Private Equity nicht immer glücklich. Die Gothaer-Gruppe verlor viel Geld und ist zu einer konservativeren Anlagestrategie zurückgekehrt. „Die hatten nicht ausreichend Erfahrung“, sagte ein Experte. Bei der Allianz sei das anders.

Neben der AAA-Leitung übernimmt der ehemalige Dresdner-Banker Jung überraschend auch die Sprecherrolle in der Geschäftsführung der KGAL. Deren Eigentümer – neben Allianz/Dresdner Bank die Bayerische Landesbank, Sal. Oppenheim und die Hamburger Sparkasse – haben die größte deutsche Leasing-Gesellschaft Mitte 2005 zum Verkauf gestellt. Finanzkreise rechnen mit dem Abschluss erst Mitte 2006. „Bis dahin soll Jung die KGAL kommissarisch führen.“ Der Banker soll sie neu ausrichten und das Programm geschlossener Fonds an die neuen steuerlichen Gegebenheiten anpassen. Jung kennt die KGAL von längerer Verwaltungsratstätigkeit.

Zitat:

„Wir werdenunseren Investoren ein besseres Risiko-Ertrag-Verhältnis bieten können“ – Allianz-Vorstand Achleitner –

Bild(er):

Mehr Prozente machen:Der Renditehunger treibtden Allianz-Konzern zumAusbau des Geschäftsmit alternativen Anla-gen, vor allem des Private Equity

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Quelle: Financial Times Deutschland


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