Allianz schließt Geschäftsstellen

Zahl soll von 120 auf deutlich unter 100 sinken · Konzern geht mit solidem Gewinn in heiße Umbauphase

VON Herbert Fromme, Köln Der Allianz-Konzern plant, die Zahl seiner Geschäftsstellen in Deutschland von 120 auf deutlich unter 100 zu reduzieren. Nach Informationen der FTD aus Versicherungskreisen wird der designierte Deutschlandchef Gerhard Rupprecht in dieser Woche die Mitarbeiter unterrichten.

Ein Allianz-Sprecher bestätigte den Abbau von Geschäftsstellen. „Mit den Verantwortlichen ist darüber gesprochen worden“, sagte er. Einzelheiten darüber, welche Geschäftsstellen geschlossen werden, wollte er nicht nennen. Über die Geschäftsstellen führt die Allianz ihren Vertrieb. Auch zur Zahl der durch die Schließung betroffenen Arbeitsplätze wollte die Allianz keine Auskunft geben.

Die personelle Besetzung der so genannten Führungsebene eins, eine Managementebene unter dem Vorstand, wird dagegen noch nicht intern veröffentlicht. Eigentlich hatte Rupprecht das auch für diese Woche geplant, sieht aber jetzt noch Abstimmungsbedarf.

Die Reduzierung der Geschäftsstellen ist Teil des Generalumbaus der deutschen Allianz-Töchter. Sie werden künftig von einer neu gebildeten Deutschland-Holding geführt, nicht mehr von der zentralen Konzernholding. Mit Rupprecht wird der bisherige Chef der Lebensversicherung Vorsitzender des Deutschlandvorstands. Reiner Hagemann, der bisher die Sachgruppe führte, scheidet wegen Differenzen mit Konzernlenker Michael Diekmann über den Umbau aus.

Als Teil des Umbaus plant die Allianz erhebliche Kostenreduzierungen, auch durch den Abbau von Arbeitsplätzen. Nach Informationen aus Versicherungskreisen ist in der Konzernspitze die Rede von einem Abbau von 7000 bis 8000 Stellen über drei Jahre bei den Versicherern der Gruppe. Sie haben knapp 40 000 Angestellte.

Konzern-Controllingvorstand Helmut Perlet sagte am Freitag zu einem entsprechenden Bericht der FTD: „Ich dementiere die Zahlen aus der FTD klar und eindeutig. Solange es noch keine Erklärungen und Entscheidungen über die Struktur gibt, ist alles Spekulation und jede Zahl unseriös.“ Auf Nachfrage, wie er die 7000 bis 8000 dementieren könne, wenn es angeblich noch keine Zahl gebe, sagte Perlet: „Da habe ich mich vielleicht falsch ausgedrückt. Wir haben zum heutigen Zeitpunkt einfach keine Zahlen. Es gibt keine Festlegungen.“ Es nutze nichts, wenn er Aussagen mache, „die noch überhaupt nicht zur Debatte stehen, nicht entschieden sind“.

Die Allianz geht mit einer soliden Entwicklung in die heiße Umbauphase. Perlet bestätigte die Gewinnerwartung von mehr als 4 Mrd. Euro netto für 2005. Beim Umsatz werde das Unternehmen knapp über 100 Mrd. Euro liegen. In den ersten neun Monaten verdiente der Konzern nach Steuern 3,51 Mrd. Euro, verglichen mit 1,97 Mrd. Euro im Vorjahreszeitraum. Die Börse war dennoch unzufrieden, die Aktie verlor am Freitag 0,9 Prozent auf 119,50 Euro. Als Grund nannten Analysten vor allem Enttäuschung über die Zahlen der Bank-Tochter Dresdner.

Im dritten Quartal wurde das Allianz-Ergebnis von Hurrikans und anderen Katastrophen getroffen. Sie kosteten den Konzern netto – nach Erstattungen von Rückversicherern, aber vor Steuern – 753 Mio. Euro. Allein „Katrina“ schlug mit 519 Mio.Euro zu Buche. Für „Wilma“ rechnet Perlet im vierten Quartal mit einer Belastung von 124 Mio. Euro. Trotz der Stürme konnte der Konzern im Segment Schaden- und Unfallversicherung den Quartalsgewinn von 368 Mio. Euro auf 408 Mio. Euro steigern, weil er mehr Gewinne aus Wertpapieren realisierte und geringere Abschreibungen vornahm. Dabei erlebte die Allianz einen Preisabrieb von etwa einem Prozent. Perlet sagte, die Naturkatastrophen erhöhten die Preisdisziplin im Markt. Perlet glaubt nicht an weiteren Abrieb.

In der Lebens- und Krankenversicherung führten niedrigere Kosten und höhere laufende Ergebnisse aus Kapitalanlagen zu einer Verdreifachung des Quartalsgewinns auf 376 Mio. Euro. Im Asset-Management konnte Perlet kräftige Mittelzuflüsse melden, die Anlagen für Dritte stiegen um 21,5 Prozent auf 711 Mrd. Euro. Stark verbesserte Kostenquoten sorgten für einen Anstieg des operativen Ergebnisses in den ersten neun Monaten um 35,6 Prozent auf 777 Mio. Euro.

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Achtung, Rutschgefahr: Die Allianz geht bei ihrem Umbau ähnliche Risiken ein wie unaufmerksame Fußgänger – Plainpicture/P. Thoet

www.FTD.de/Allianz

Quelle: Financial Times Deutschland


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