Allianz will 8000 Stellen streichen

Bei Versicherern jeder fünfte Job bedroht · Auch Dresdner Bank soll 2000 Arbeitsplätze verlieren

VON Herbert Fromme, Köln,und Angela Maier, Frankfurt Das Allianz-Management bereitet einen umfangreichen Stellenabbau bei den deutschen Versicherungstöchtern und der Dresdner Bank vor. Nach Angaben aus gut unterrichteten Versicherungskreisen ist in der Konzernspitze die Rede von 7000 bis 8000 Stellen bei den Versicherern, die zurzeit knapp 40 000 Angestellte haben. Der Abbau soll in den nächsten drei Jahren stattfinden. Bei der Konzerntochter Dresdner Bank gehe es um mehr als 2000 Stellen.

Bis Anfang nächsten Jahres will Vorstandschef Michael Diekmann konkrete Beschlüsse herbeiführen und Verhandlungen mit den Betriebsräten aufnehmen. Der Abbau ist Teil des von ihm angestoßenen Großumbaus der Gruppe in Deutschland.

Die Allianz rechne mit Kosten für den Stellenabbau von mehr als 500 Mio. Euro, hieß es. Auch in Italien würden Arbeitsplätze in großem Stil gestrichen. Dort will Diekmann 2006 die operativen Versicherer fusionieren. Dieser Schritt werde wahrscheinlich einmalig rund 300 Mio. Euro kosten.

Sprecher von Allianz und Dresdner Bank dementierten gestern die Zahlen über Stellenstreichungen und Kosten. „Wie sich die neuen Strukturen in Deutschland auf die Arbeitsplätze auswirken, wird bis Anfang 2006 sorgfältig analysiert und anschließend mit den Gremien besprochen“, sagte der Allianz-Sprecher.

Diekmann hatte im September angekündigt, dass die operativen Versicherer in Deutschland – die bisher zur obersten Konzernholding gehören – unter einer neuen Deutschland-Holding angesiedelt werden. Das System der bisher weitgehend autonom arbeitenden Zweigniederlassungen wird auch aufgegeben.

Kürzlich hatte Diekmann vor Journalisten einen Arbeitsplatzabbau nicht ausgeschlossen, ihn aber vom Wachstum des Konzerns abhängig gemacht. „Gelingt uns das Thema Wachstum nicht, wird das natürlich Jobs kosten“, sagte er damals.

Diekmann ist fest davon überzeugt, dass die Allianz trotz ihrer hohen Gewinne aus dem Inland dringend ihre Produktivität steigern muss. Nur dann könne sie langfristig konkurrenzfähig bleiben. Von den Beiträgen in der Schaden- und Unfallversicherung gibt die Allianz zurzeit in Deutschland 24,7 Prozent für Verwaltungs- und Vertriebskosten aus. Rivale HUK-Coburg etwa hat nur 10,5 Prozent Kosten und steigert in der Autoversicherung kontinuierlich seinen Marktanteil, vor allem auf Kosten der Allianz.

Die Einsparungen bei der Allianz dürften andere Versicherer zwingen, beim Arbeitsplatzabbau nachzuziehen. In der Branche arbeiten derzeit 244 300 Beschäftigte. Schon jetzt werden jährlich rund ein Prozent der Stellen gestrichen.

Die Dresdner Bank würde durch die geplante Stellenreduzierung noch einmal bis zu zehn Prozent ihrer verbliebenen 29 000 Mitarbeiter abbauen. Vor allem in der Zentrale, die Analysten als völlig überdimensioniert einschätzen, sollen Jobs gestrichen werden. Auch das Privatkundengeschäft wirtschaftet schlecht. Je Euro Ertrag liegen die Kosten bei 80 Cent. Dresdner-Chef Herbert Walter hatte erklärt, diese Quote unter 70 Prozent senken zu wollen. Seit 2001 hat das Institut 17 000 Stellen gestrichen.

Darüber hinaus dürfte die geplante Zusammenlegung des Firmenkundengeschäfts mit der Investmentbankeinheit Dresdner Kleinwort Wasserstein Stellen kosten. Dieser seit Jahren überfällige Schritt soll in diesem Monat beschlossen werden.

Im Sommer hatte Finanzvorstand Klaus Rosenfeld angedeutet, dass die Dresdner nochmals in einer Größenordnung von 100 Mio. Euro sparen muss. Grund ist, dass die Bank 2005 ihr ehrgeiziges Jahresziel von vier Prozent Wachstum weit verfehlen wird.

Bild(er):

Jeder fünfte Mitarbeiter soll gehen: Die Allianz will bei ihren Versicherern bis zu 8000 der 40 000 Stellen streichen

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Quelle: Financial Times Deutschland


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