Axa lässt scannen und erkennen

Unter Gewerkschaftsfunktionären gilt die Personalpolitik des Kölner Versicherers Axa als vorbildlich. Die deutsche Tochter des zweitgrößten europäischen Versicherers will bis 2012 auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten. In fünf Jahren hat Axa die Zahl der Vollzeitarbeitsplätze in Deutschland von 10 000 auf 7000 reduziert, einschließlich der Teilzeitbeschäftigten sind es heute 7900 Mitarbeiter. „Der Wettbewerbsdruck führt dazu, dass Kosten gesenkt werden müssen“, sagte ein Sprecher. „Die Richtung ist: Kosten runter, Leistung rauf.“

Deshalb könnte die Zahl der Mitarbeiter trotz zugesichertem Kündigungsverzicht bald sinken. Der Verzicht, für den der Betriebsrat im Gegenzug einer extremen Flexibilisierung der Arbeitszeit zugestimmt hat, gilt ohnehin nicht, wenn es massive Änderungen bei Einnahmen, Ausgaben und Gewinn gibt. Und selbst wenn es an dieser Front ruhig bleibt – viele Arbeitsplätze werden nicht neu besetzt, wenn Mitarbeiter gehen. „Die Personaldecke wird in den kommenden drei Jahren möglicherweise durch Fluktuation um 500 Vollzeitstellen reduziert“, sagte der Sprecher. Diese Stellen könnten aber erhalten bleiben, wenn das Unternehmen entsprechend stark wachse.

Grund für diese Entwicklung ist die Industrialisierung der Assekuranz. Immer mehr Maschinen ersetzen Menschen. Das Zeitalter von Aktenschränken und Papierstapeln ist vorbei, das der elektronischen Verarbeitung von Anträgen und Rechnungen schon längst angebrochen. Ob Kündigungen, Schadensmeldungen oder Gutachten – bei der Axa werden alle Dokumente digitalisiert. Spezielle Computerprogramme identifizieren die Schriftstücke und ordnen sie automatisch den Sachbearbeitern in den verschiedenen Abteilungen zu. Die Schadenbearbeitung geht elektronisch viel schneller als auf Papier.

„Es werden vor allem einfache Tätigkeiten durch den Einsatz elektronischer Systeme ersetzt“, sagte der Sprecher. Aber die Computer übernehmen nicht nur triviale Aufgaben, sondern prüfen auch auf Plausibilität . „Scannen und Erkennen“ nennt die Axa ihre elektronische Schadenbearbeitung in der Krankenversicherung. „Der Computer prüft, ob auf einer Arztrechnung die aufgeführten Positionen plausibel sind“, erklärte der Sprecher. „Wenn ja, wird die Zahlung automatisch angewiesen.“ Nur wenn dem Programm etwas nicht schlüssig erscheint, ordnet es den Vorgang einem Sachbearbeiter zur Prüfung zu. Anja Krüger

Quelle: Financial Times Deutschland


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