Bankgesellschaft beendet Sanierung

Vorstandschef stoppt Stellenabbau · Prognose erhöht · Mögliche Vertriebskooperation mit MLP

Von Fidelius Schmid, Berlin, und Herbert Fromme, Köln Die Bankgesellschaft Berlin hat mehr als vier Jahre nach ihrer schweren Krise ihre erfolgreiche Sanierung ausgerufen. „Was mich richtig freut, ist, dass wir die Sanierungsphase als beendet betrachten können. Der sanierungsbedingte Personalabbau ist beendet“, sagte Bankgesellschaft-Vorstandschef Hans-Jörg Vetter gestern in Berlin. Gleichzeitig erhöhte Vetter die Ergebnisprognose für das laufende Jahr um 25 Prozent auf bis zu 200 Mio. Euro.

Mit Vetters Ansage geht eine der spektakulärsten Bankenkrisen zu Ende. Seit seinem Amtsantritt hat Vetter die Bank radikal verkleinert und auf ihr regionales Geschäft konzentriert. Vor Beginn der Sanierung hatte die Bankgesellschaft 17 000 Mitarbeiter. Jetzt hat sie noch 8200.

Aufgabe des Vorstandes ist nun, die restlichen Auflagen der EU-Kommission für ein milliardenschweres Beihilfepaket des Landes Berlin abzuarbeiten. Das schließt den Verkauf der zum Konzern gehörenden Berliner Bank ein, den die Bankgesellschaft vergangene Woche gestartet hat. Nach Vetters Angaben gibt es bereits eine zweistellige Anzahl in- und ausländischer Interessenten dafür. Danach steht bis Ende 2007 der Verkauf der Bankgesellschaft selbst an, die mehrheitlich dem Land Berlin gehört. „Die Mutter wird ein teures Tierchen“, gab Vetter sich dazu gestern optimistisch.

Teil neuer Ertragsfelder, die die Bank sich erschließen will, könnte eine Vertriebskooperation mit dem Finanzdienstleister MLP sein. „Mit dem Thema kann man sich befassen“, sagte Vetter. Es habe aber noch nicht unmittelbar im Fokus gestanden. Auf die Frage, ob er dazu Gespräche führe, antwortete Vetter: „Wir sind immer offen.“

Nach Vetters Angaben hält die Bankgesellschaft inzwischen „deutlich mehr“ als acht Prozent an MLP. Er bezeichnete die Beteiligung als nicht strategisch und deutete an, dass die Bankgesellschaft ihren Anteil derzeit wohl nicht weiter ausbauen wolle. Ein MLP-Sprecher sagte zu dem Thema auf Anfrage: „Wer in den Vertrieb von MLP will, muss keine Aktien kaufen. Es ist keine vertriebliche Kooperation mit der Bankggesellschaft geplant, es sei denn, sie kommt mit einem Killerprodukt mit Top-Rating.“ Gespräche dazu gäbe es nicht.

Vor Steuern hat die Bankgesellschaft in den ersten neun Monaten 168 Mio.Euro verdient und damit bereits ihre Jahresprognose übertroffen. Nach Steuern blieben 139 Mio.Euro übrig. Gemindert wird dieser Betrag durch die Vergütung stiller Einlagen um 58 Mio.Euroauf 81 Mio.Euro. Ein Ergebnistreiber war die gesunkene Risikovorsorge.

Erstmals seit 1999 wieder eine Dividende auszuzahlen sei derzeit noch kein Thema, sagte Vetter. „Wichtig für unsere Aktionäre ist, dass wir die Bank auch nachhaltig wetterfest haben, dass wir wieder Reserven ansammeln.“

Zitat:

„Was mich richtig freut, ist, dass wir die Sanierungsphase als beendet betrachtenkönnen“ – Hans-Jörg Vetter,Bankgesellschaft-Chef –

Bild(er):

Die Zentrale der Bankgesellschaft am Alexanderplatz in Berlin strahlt wieder: Der Konzern hat seine jahrelange Schrumpfkur beendet

Quelle: Financial Times Deutschland


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