Haftpflicht für die Industrie bleibt günstig

Versicherer schließen aber immer mehr Risiken aus

Von Katrin Berkenkopf, Frankfurt Die deutsche Industrie muss vorerst nicht mit höheren Prämien in der Haftpflicht-Versicherung rechnen. Die Beiträge werden bis 2007 weiter leicht sinken oder stabil bleiben, erwartet Irene Hauschild, Haftpflicht-Expertin beim Makler Marsh. Gleichzeitig bauen die Versicherer aber immer mehr Ausschlüsse in die Verträge ein.

„Die Musik spielt eher auf der Bedingungsseite als bei den Prämien“, sagte Hauschild. Vielen Kunden sei das Risiko, bei einem Schadenfall ohne Deckung dazustehen, nicht bewusst. Die Haftpflicht springt bei Schäden Dritter ein. „Man nimmt die Ersparnis mit und investiert diese nicht in die Deckung besonderer Bereiche.“

Im nächsten Jahr ändern sich die Allgemeinen Haftpflicht-Bedingungen, die Standard-Konditionen für Haftpflichtverträge definieren. Bislang automatisch versicherte Risiken wie Asbest seien damit erst einmal ausgeschlossen. Auch müssten Kunden mit umfangreichen Fragebögen und Besichtigungen der Versicherer rechnen.

Deutsche Industriekunden zahlen für ihre Haftpflichtversicherung im Schnitt mehr als in den USA oder Großbritannien. Das liegt aber nicht am Schadenverlauf, sondern an der traditionell umfangreicheren Deckung. Kleine und mittlere Unternehmen vereinbaren zudem meist geringe Selbstbehalte.

Der durchschnittliche Beitrag in der Betriebs- und Produkthaftpflicht in Deutschland ging in diesem Jahr um 5,5 Prozent auf 21 107 Euro pro 1 Mio. Euro Deckungssumme zurück. In Großbritannien sank die Durchschnittsprämie sogar um 17 Prozent auf 7 975 Euro. „Der Markt ist dort viel volatiler“, erklärte Georg Bräuchle, Mitglied der Marsh-Geschäftsleitung. Die Hurrikans in den USA werden die verfügbare Versicherungskapazität in der Haftpflicht nicht schmälern, glaubt Marsh. Mit Ausnahme von Spezialbereichen wie Pharma werde es genug Deckung geben.

Quelle: Financial Times Deutschland


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