Hochwasser-Saison lässt Branche kalt

Die Schäden in Deutschland bereiten den Versicherern nur wenig Kopfzerbrechen

Von Friederike Krieger Die Hurrikane „Katrina“, „Rita“ und „Wilma“, die Überschwemmungen in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz – das Jahr 2005 hat sich für die Versicherungsindustrie zu einem wahren Katastrophenjahr entwickelt. Doch während die Hurrikane empfindlich an den Bilanzen der amerikanischen Versicherer und der Rückversicherer kratzen, bereitet das Hochwasser vor der eigenen Haustür der deutschen Assekuranz wenig Kopfzerbrechen.

„Die Überschwemmungen in Bayern waren zu erwarten“, sagte Stephan Schweda vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Auch bei der Allianz hält sich die Aufregung in Grenzen: Mit einem versicherten Gesamtschaden von 30 Mio. Euro habe das Hochwasser 2005 den Versicherer nicht annähernd so schwer getroffen wie die Jahrhundertflut an der Elbe vor drei Jahren, sagte Sprecher Klaus Schmidtke. Damals belief sich der Schaden für den Konzern auf 850 Mio. Euro, weil die Allianz Flutschäden im Osten unter den von ihr übernommenen alten DDR-Hausratpolicen regulieren musste.

Prämienerhöhungen seien aktuell kein Thema, so die Allianz. „Wir planen keinerlei Änderungen an unseren Elementardeckungskonzepten“, ist auch von Generali Lloyd zu hören. Nur die Versicherungskammer Bayern, bei der bisher Schadensmeldungen in Höhe von 4,2 Mio.Euroeingegangen sind, beabsichtigt, die „Altverträge von Privatkunden noch einmal genauer anzuschauen“, sagt Sprecher Lutz Köhler.

Ganz anders sieht es in der Schweiz aus. „Die August-Flut hat alles bisher Dagewesene übertroffen“, erklärte Beat Krieger, Sprecher des Schweizerischen Versicherungsverbands. Mit einem versicherten Schaden von 1,3 Mrd. Franken übertreffe die Flut die Schäden, die der Sturm „Lothar“ 1999 angerichtet habe, um das Vier- bis Fünffache.

Die Schweizer müssen Gebäude und Hausrat gegen Elementarschäden durch Hochwasser, Sturm, Hagel und andere Gefahren pflichtversichern. Auf Grund des hohen Schadenvolumens steht nun die Höhe der Einheitsprämie für diese Pflichtversicherung zur Diskussion. Die Versicherer würden auch gern ihre Haftungsbegrenzung erhöhen, die bei 250 Mio. Franken liegt und die sie für dieses Jahr ausgesetzt haben. „Prämienanpassungen wären dann auf jeden Fall notwendig“, sagt Krieger.

Hier zu Lande deckt die normale Gebäudeversicherung nur das Sturm- und Hagelrisiko ab. Gegen Verwüstungen, wie sie die August-Fluten verursacht haben, müssen die Deutschen eine freiwillige Elementarschadenversicherung abschließen. Das Problem: „In stark hochwassergefährdeten Gebieten ist eine Versicherung nicht erhältlich“, erklärte Versicherungsexperte Reimund Schwarze vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung.

In den süddeutschen Hochwassergebieten verfügte nach Angaben der Allianz nicht einmal jeder 20. Betroffene über eine Elementarschadendeckung. So lastet ein Großteil des Flutschadens – die Bayerische Staatskanzlei schätzt ihn auf 172 Mio. Euro – auf Privatleuten und dem Staat, der mit Notfallzahlungen aushilft. „Dieses Dilemma kann nur durch eine Versicherungspflicht gelöst werden“, sagt Schwarze. Einzelereignisse wie in Bayern hätten aber nicht die politische Durchschlagskraft, um das Thema auf die politische Agenda zu bringen. „Dazu bedarf es eines Großereignisses.“

Quelle: Financial Times Deutschland


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