Münchener Rück steckt Hurrikans weg

Aktiengewinne gleichen Megaschäden aus

Von Herbert Fromme, Köln Die Münchener Rückversicherung hält trotz hoher Schadenssummen an ihrem ehrgeizigen Gewinnziel für 2005 fest und will nach Steuern eine Rendite von zwölf Prozent erwirtschaften. Das bestätigte Finanzchef Jörg Schneider auf einer Telefonkonferenz. Bei einem Eigenkapital von jetzt 22,7 Mrd. Euro entspricht das knapp 2,6 Mrd. Euro, sagte Schneider. 2004 hatte der Rückversicherer 1,8 Mrd. Euro verdient.

Der Konzern bleibe bei seiner Ausschüttungspolitik von 25 Prozent, sagte Schneider weiter. „Dann stünde auch eine deutliche Dividendenerhöhung in Aussicht“, sagte er, ohne Summen zu nennen. Die Börse reagierte mit einem Plus von 0,8 Prozent auf 103,55 Euro. Damit das Rekordergebnis erreicht wird, benötigt der weltgrößte Rückversicherer einen Buchgewinn aus dem Umtausch der Aktien der HypoVereinsbank (HVB) in Unicredit-Papiere. Die Münchener Rück hält 18 Prozent der Bank. „Der Gewinneffekt für die Münchener Rück wäre etwa 1 Mrd. Euro, wenn der HVB-Kurs bei 22 Euro liegt“, sagte Schneider. Gestern schloss die Aktie mit 24,30 Euro. Schneider erwartet einen Abschluss der Transaktion noch im November.

Hilfe durch Sondergewinne

Für das dritte Quartal verkündete Schneider einen Gewinn von 513 Mio. Euro. Sondergewinne aus dem Verkauf von Aktien konnten die hohen Schäden aus Naturkatastrophen und Großfeuern ausgleichen. Allein der Abbau des Allianz-Bestands wirkte sich mit 563 Mio. Euro gewinnfördernd aus, der Verkauf von Commerzbank-Papieren mit 100 Mio. Euro, bei MAN waren es 178 Mio. Euro. „Gewinnrealisierungen sind für ein Unternehmen, das ein Portefeuille von 27 Mrd. Euro betreibt, ganz normal“, sagte Schneider.

„Katrina“, „Rita“ und andere Stürme kosteten die Münchener Rück im dritten Quartal nach Erstattungen durch andere Rückversicherer 1,1 Mrd. Euro, davon „Katrina“ allein 800 Mio. Euro. Nach Steuern schlugen die Stürme mit 750 Mio. Euro zu Buche. „Wilma“ wird mit 330 Mio.Eurodas vierte Quartal belasten.

Vorstandsmitglied Torsten Jeworrek sagte, die Risikomodelle der Münchener Rück hätten in Bezug auf Flutschäden „schlechtere Qualität“, sie müssten angepasst werden. Er geht von deutlichen Preiserhöhungen für Katastrophendeckungen aus. Bei Platzierungen von Versicherungsverträgen für Ölplattformen im Golf von Mexiko habe es beispielsweise Preiserhöhungen von 400 Prozent gegeben.

Die Münchener Rück werde an der Politik festhalten, unprofitables Geschäft aufzugeben. „Das beunruhigt uns überhaupt nicht“, sagte Schneider zum Umsatzrückgang von 4,2 Prozent in der Rückversicherung. Ein Teil stamme aus der Kündigung eines Vertrags durch die britische Royal Sun Alliance.

Quelle: Financial Times Deutschland


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