Öffentliche testen ein Spezialsegment

Bürgschaftsversicherung richtet sich an den Mittelstand

Von Ilse Schlingensiepen Mit einer eigenen Kautionsversicherung sind die öffentlichen Versicherer in diesem Sommer auf den Markt gegangen. Die S-Bürgschaftsversicherung richtet sich an Gewerbetreibende, die Bürgschaften benötigen, um Aufträge zu erhalten. Sie kann komplett über das Internet abgewickelt werden. „Gemeinsam mit unseren Verbundpartnern, den Sparkassen, haben wir ein Produkt entwickelt, das der steigenden Nachfrage nach Bürgschaften unserer kleinen und mittelständischen Firmenkunden gerecht wird“, erläutert Achim Hertel vom Vorstand des Verbands öffentlicher Versicherer.

Die regional arbeitenden öffentlichen Versicherer gehören zur Sparkassen-Gruppe. Die S-Bürgschaftsversicherung wird von den einzelnen Gesellschaften und den Sparkassen angeboten. Risikoträger ist die Versicherungskammer Bayern, der größte öffentliche Versicherer.

Hauptzielgruppe der S-Bürgschaftsversicherung sind Firmen aus dem Baugewerbe und andere Branchen, die von öffentlichen Aufträgen leben. Bei ihnen ist die Vorlage einer Bürgschaft meistens Voraussetzung für den Zuschlag. Der von der Versicherungskammer angebotene Bürgschaftsrahmen reicht von 10 000Euro bis 1 Mio. Euro, der Jahresbeitrag von 300Euro bis 9600 Euro. Wie die Baukautionsversicherer werben die Öffentlichen damit, dass ihr Produkt im Gegensatz zu einer Bankbürgschaft den Kreditrahmen nicht belastet.

Nur ein kleines Geschäftsfeld

Bislang gibt es keine Zahlen darüber, wie sich die neue Bürgschaftsversicherung verkauft. „Die Resonanz ist positiv“, berichtet der Sprecher der Versicherungskammer, Lutz Köhler. Umsatzziele wollte er nicht nennen.

„Die Bürgschaftsversicherung ist für uns kein Einstieg in die Ausweitung der Kreditversicherung“, betont Köhler. Im klassischen Warenkreditversicherungsgeschäft sei man ohnehin nicht aktiv. „Das Geschäft ist international und passt nicht zu unserer regionalen Aufstellung“, sagt er.

In ihrem Portfolio hat die Versicherungskammer Konsumenten-, Dispo- und Restkreditversicherungen als Absicherung für die Sparkassen, wenn Kunden ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen. Ein „Sonderfall“ sei die Vermögensschadenversicherung, mit der sich Unternehmen gegen die Folgen von Untreue oder anderem Fehlverhalten ihrer Mitarbeiter absichern. Dieses Segment ist bei den meisten Versicherern ein Teil der Haftpflichtversicherung. Die Versicherungskammer erzielt in der Kreditversicherung rund 35 Mio. Euro Prämieneinnahmen, davon allein 32 Mio. Euro in der Vermögensschadenversicherung. Insgesamt hatte sie im Jahr 2004 Prämieneinnahmen von 5,3 Mrd. Euro.

Quelle: Financial Times Deutschland


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