Versicherer erwarten 2006 nur Mini-Wachstum

Verband rechnet mit Beitragsplus von 0,5 Prozent

Von Herbert Fromme, Berlin Die deutsche Versicherungswirtschaft erwartet für 2006 eine Wachstumsdelle. Nach Angaben von Bernhard Schareck, Präsident des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), kann die Branche für das kommende Jahr nur mit einem Beitragsplus von 0,5 Prozent rechnen.

Für 2005 erwartet der GDV noch einen Anstieg um 2,1 Prozent auf 155,6 Mrd. Euro, im Vorjahr lag das Wachstum bei 3,0 Prozent.

Schareck begründete den Pessimismus für 2006 mit dem weiterhin schwachen Wirtschaftswachstum sowie deutlich niedrigeren Steigerungsraten in der Lebensversicherung. Die Lebensversicherer hatten 2004 wegen des bevorstehenden Wegfalls des Steuerprivilegs ein Rekordjahr beim Absatz neuer Verträge – das wirkt sich 2005 mit einem Zuwachs von 4 Prozent bei den Beiträgen auf 73,2 Mrd. Euro aus. Analog werde der 2005 festzustellende Einbruch im Neugeschäft zu einem nur geringen Anstieg von einem Prozent im Jahr 2006 führen, sagte Schareck.

„Ausgesprochen kritisch verläuft die Entwicklung in der Kraftfahrtversicherung“, sagte Schareck. Hier muss die Branche 2005 wegen des Preiskriegs erstmals nach drei Jahren wieder einen Rückgang bei den Beitragseinnahmen von 2,8 Prozent auf 21,9 Mrd. Euro hinnehmen. „Allerdings erwarten wir bei den Schäden eine Stagnation“, sagte Schareck. Deshalb steige die Schaden-Kosten-Quote in der Autoversicherung auch nur von 91 Prozent auf 93 Prozent der Beiträge – pro Beitrags-Euro zahlen die Versicherer 93 Cent für Schäden und ihre Kosten. „Wir werden aber möglicherweise 2006 wieder eine Quote über 100 Prozent und rote Zahlen sehen“, sagte Edmund Schwake, Chef des Ausschusses für Schaden-Unfall beim GDV. Allerdings verbuche die Branche gerade in der Autoversicherung hohe Kapitalerträge. „Mit 106 Prozent Schaden-Kosten-Quote kann man als Versicherer noch Geld verdienen“, sagte Schwake.

Zitat:

„Ausgesprochen kritisch verläuft die Kraftfahrt- versicherung“ – Bernhard Schareck, GDV-Präsident –

Quelle: Financial Times Deutschland


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