Boom bei Schiffsfonds birgt Risiken für Anleger

Rekordpreise auf dem Markt schmälern die Renditen · Emissionshäuser und Fondsinitiatoren geraten zunehmend unter Druck

VON Katrin Berkenkopf Schiffsfonds steuern auch in diesem Jahr auf Rekordkurs. „Die Zahlen von 2004 werden locker getoppt“, sagt Schiffsfinanzierungsexperte Jürgen Dobert. Er rechnet damit, dass Emissionshäuser und Initiatoren bis Jahresende mehr als 3 Mrd.Euro an Anlegergeldern einsammeln. Im vergangenen Jahr waren es 2,97 Mrd.Euro.

Anfang des Jahres hatten Experten wie Dobert einen weiteren Zuwachs kaum für möglich gehalten. Der Grund: Es fehlt an neuen Schiffen, die Werften sind auf Jahre ausgebucht. Offenbar halfen aber Einkäufe auf dem Secondhandmarkt für Frachter, die Nachfrage der Anleger zu befriedigen. Dank massiver Investitionen kontrollieren Deutsche mittlerweile die drittgrößte Flotte der Welt.

Vom Ende der steuerlichen Verlustzuweisungen für geschlossene Fonds ist die Branche nur marginal betroffen. Fast alle Fonds operieren mittlerweile auf Basis der Tonnagesteuer, einer Art pauschalierter Gewinnermittlung, die praktisch steuerfreie Ausschüttungen an die Anleger erlaubt. Noch sei es aber zu früh zu sagen, ob sich die Tonnagesteuer für Investoren am Ende wirklich rechnet, warnt Dobert.

Für die Anleger gibt es noch jede Menge anderer Fallstricke. Druck kommt vor allem von den Preisen, die sowohl für Neubauten als auch für Ankäufe älterer Schiffe auf Rekordhöhe liegen. Die Schiffe müssen deshalb besonders viel abwerfen, um eine befriedigende Rendite für die Anleger einzufahren. Die Erwartung an die Anfangsausschüttung eines Fonds – diese ist nicht identisch mit dem Gewinn, sondern beinhaltet auch Teilrückzahlungen des Investments – liege mittlerweile bei rund neun Prozent, sagte Steuerberater Hermann Neemann auf dem Hansa-Forum Schiffsfinanzierung in Hamburg. Manche Fondsinitiatoren könnten da offenbar der Versuchung nicht widerstehen, an bestimmten Stellschrauben zu drehen, um diese Renditeerwartungen im Prospekt ausweisen zu können, mutmaßt Neemann.

Jedes Jahr Verlängerung bei der Tilgung der Schiffshypothek bringe die Ausschüttung optisch um 0,5 Prozentpunkte nach oben, erklärt Neemann. Dafür dauere es natürlich länger, bis die Schiffe schuldenfrei sind. Fremdwährungsdarlehen mit niedrigen Zinsen ließen die prognostizierte Ausschüttung um einen Prozentpunkt steigen. Dafür drohe aber das Wechselkursrisiko.

Da die Schiffe zumeist in US-Dollar finanziert werden, beeinflusst auch hier die Erwartung an den künftigen Wechselkurs die Ausschüttung. Pro 1000 $ kalkulierter Charterrate wächst die Rendite außerdem um mindestens einen Prozentpunkt. Das ist auch der Fall, wenn die Betriebskosten pro Tag um 500 $ niedriger eingeschätzt werden.

Dass dies nicht bloße Gedankenspiele sind, sondern gängige Praxis, zeigt Jürgen Dobert an einem Beispiel: So wurden zwei baugleiche Schiffe von zwei Emissionshäusern angeboten – ein Anbieter rechnete mit anfänglichen Betriebskosten von 4025 $ pro Tag, der andere mit 5250 $. Anlegern des ersten Schiffes droht eine böse Überraschung, wenn die Kosten am Ende doch höher sind. „Leider zeigt sich erst nach Auslaufen des Fonds, welche Schrauben überdreht wurden“, sagt Steuerberater Neemann.

Zitat:

“ „Leider zeigt sich erst später, welche Schrauben überdreht wurden“ “ – Hermann Neemann, Steuerberater –

Quelle: Financial Times Deutschland


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