Credit Suisse plant hohen Gewinnsprung

Starke Synergien durch Integration von Firmenkundengeschäft und Investmentbanking · Winterthur soll an die Börse

VON Rolf Lebert, Frankfurt, und Herbert Fromme, Köln Der Finanzkonzern Credit Suisse erwartet kräftige Gewinnsteigerungen. 2008 soll die Integration des Bankgeschäfts einen Synergiegewinn von netto 1 Mrd. Schweizer Franken bringen. Dieser Betrag kommt zu dem Reingewinn von 8 Mrd. Franken hinzu, den die Gruppe 2007 erzielen will. 2004 hatte der Konzern einen Gewinn von 5,6 Mrd. erzielt. Konzernchef Oswald Grübel und Finanzchef Renato Fassbind präzisierten gestern auf einer Investorenkonferenz zugleich ihre Pläne mit dem zum Konzern gehörenden Versicherer Winterthur, ohne sich jedoch auf Einzelheiten festzulegen.

Nach Grübels Worten soll Winterthur an die Börse gebracht werden, aber nicht vor Mitte 2006 und nur dann, wenn das Marktumfeld stimmt. Fassbind sagte, Credit Suisse wolle mindestens eine solche Mehrheit an Winterthur abgeben, dass kein Konsolidierungszwang mehr bestehe. „Ich sehe keine Veranlassung, warum wir Winterthur unterhalb ihres Buchwerts verkaufen sollten“, fügte er hinzu. In der Bilanz der Credit Suisse steht Winterthur mit 9,5 Mrd. Euro zu Buche.

Der Konzern hatte 2004 versucht, Winterthur für mindestens 8,2 Mrd. Franken zu verkaufen, fand aber keinen Käufer. Stark interessiert war damals Axa. Das Angebot blieb aber deutlich unter der Forderung. Axa wird in Finanzkreisen auch jetzt wieder als möglicher Käufer genannt. Dagegen spricht allerdings, dass der französische Konzern gerade die kanadische Winterthur-Tochter übernommen hat. Trotz der Ankündigung Fassbinds müsse es nicht unbedingt zu einem Börsengang kommen, sagte ein Brancheninsider. „Ich sehe das im Wesentlichen als Einladung für Angebote.“

Die Trennung von der Versicherung ist ein wesentlicher Teil des Konzernumbaus der Gruppe, die sich 2005 von ihrem Allfinanzkonzept verabschiedet hat und sich künftig auf die Kernbereiche des Bankgeschäfts, Private Banking, Vermögensverwaltung und Investmentbanking, konzentrieren will.

Während der Konzernvorstand sich bei den mittelfristigen Ertragszielen ungewöhnlich präzise festlegte, vermied er wie schon bei der Vorlage der Neunmonatszahlen eine Aussage zum laufenden vierten Quartal. „Ich bin derzeit nicht befugt, dazu etwas zu sagen“, sagte Fassbind. Die Erstellung einer Jahresprognose war schwierig, weil bis vor kurzem noch ein Rechtsstreit mit der auf den Bermudas ansässigen XL Versicherung schwelte. XL hatte im Jahr 2000 das internationale Versicherungsgeschäft der Winterthur übernommen und forderte dafür eine Risikoabschirmung von 1,45 Mrd. $. Credit Suisse wollte hingegen nur 541 Mio. $ zahlen und bekam Anfang dieser Woche in einem Schlichtungsverfahren Recht. Mit dem Abschluss dieses Verfahrens wird auch die Herauslösung Winterthurs erleichtert.

Im Rahmen der Integration des Bankgeschäfts, bei dem vor allem das Firmenkundengeschäft und das Investmentbanking enger zusammengeführt werden sollen, will Credit Suisse 2008 Ertragssynergien in Höhe von 1,2 Mrd. Franken heben. Kosteneinsparungen von 600 Mio. Franken und höhere Aufwendungen für ertragsstarke Geschäfte von 520 Mio. Franken eingerechnet, soll ein Ergebnis vor Steuern von 1,3 Mrd. Eurogeneriert werden. Die Integration soll vor allem in der Informationstechnologie, dem Einkaufsmanagement sowie bei Immobilien und Dienstleistungen Einsparungen bringen.

Quelle: Financial Times Deutschland


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