Hafen will aus eigener Kraft wachsen

Betreiber stehen einer Fusion mit Ludwigshafen skeptisch gegenüber · Containerbereich zeigt größte Dynamik

VON Katrin Berkenkopf Zahlreiche Traktoren von John Deere verlassen Mannheim über den Rhein. Die Rampe am Terminal im Rheinauhafen ist gerade verbreitert worden, jetzt können dort zwei Schiffe gleichzeitig abgefertigt werden. Betrieben wird der Terminal von Wincanton Rhenania, dem größten Hafenanlieger. Insgesamt gibt es rund 430 Betriebsstätten auf dem elf Quadratkilometer großen Gebiet, zwischen 15 000 und 20 000 Menschen arbeiten im Hafen an Rhein und Neckar. Er sei ein Wachstumsmotor, sagt Hafendirektor Roland Hörner. „Der Verkehr wird verstärkt auf die Wasserstraßen gehen, denn hier gibt es noch Kapazität.“

Das Land Baden-Württemberg hat die Staatliche Rhein-Neckar-Hafengesellschaft 1990 als in Privatform organisierte GmbH gegründet. Sie ist nicht operativ tätig, sondern stellt lediglich die Infrastruktur zur Verfügung – Flächen und Terminals, die dann von den eigentlichen Betreibern gemietet werden können.

Der Hafen mache sein Geschäft, „ohne dem Land auf der Tasche zu liegen“, sagt Hörner. Zahlen will er allerdings nicht nennen. Nur so viel verrät er: Die Einnahmen aus Mieten und Pachten seien ausreichend, um die Infrastruktur zu erhalten und auszubauen. Als nächstes soll der Containerterminal im Mühlauhafen erweitert werden, eine Millioneninvestition. Im Handelshafen soll ein neuer Containerterminal mit Kran entstehen.

„Container sind der am schnellsten wachsende Bereich“, sagt Hörner. Im ersten Halbjahr verzeichnete der Hafen einen Umschlag von mehr als 72 000 TEU – das sind die 20 Fuß langen Standardcontainer – und damit eine Steigerung um rund 44 Prozent. Im Vergleich zu den großen Seehäfen ist das allerdings sehr bescheiden. Allein in Hamburg wurden im vergangenen Jahr mehr als sieben Millionen Container bewegt.

Der Terminal im Mühlauhafen wird ebenfalls von der Logistikgruppe Wincanton Rhenania betrieben. Seit 2003 gehört das Mannheimer Traditionsunternehmen Rhenania zum Wincanton-Konzern. Die Briten haben Mannheim zur Zentrale für das kontinentaleuropäische Geschäft gemacht. Sechs Containerterminals betreiben sie entlang des Rheins. 125 000 TEU will Wincanton Rhenania in diesem Jahr in Mannheim umschlagen. „Mannheim ist eine multimodale Drehscheibe“, sagt Geschäftsführer Wilfried Schumacher. Die Verkehrsträger Wasser, Schiene und Straße kommen hier zusammen.

Auch Wincanton Rhenania ist auf mehreren Gebieten aktiv. In diesem Sommer übernahm das Unternehmen die Mannheimer Bahngesellschaft Contrain vom Energieversorger MVV. Die verlustbringenden Bahnshuttles zu den deutschen Seehäfen wurden aufgegeben. Die regionalen Aktivitäten werden seitdem von der Wincanton-Tochter Unisped weitergeführt.

Der Hafen setzt ebenfalls nicht nur auf eine Karte. Die stark steigenden Containerverkehre machen erst rund ein Siebtel des Gesamtumschlags aus. Feste mineralische Brennstoffe, die lose auf Massengutfrachtern transportiert werden, sind die wichtigste Güterart. Dazu zählt beispielsweise die Kohle für das Großkraftwerk Mannheim, das den Versorgern RWE, EnBW und MVV gehört. Das Kraftwerk liegt auf dem Hafengebiet und brauchte im vergangenen Jahr zur Erzeugung von Strom und Fernwärme rund 2,9 Millionen Tonnen Steinkohle.

Insgesamt gingen in Mannheim im vergangenen Jahr fast 7,7 Millionen Tonnen an Gütern über die Kanten der Kais, das waren 10,6 Prozent mehr als im Jahr zuvor. In diesem Jahr zeigt die Wachstumskurve weiter nach oben. Im ersten Halbjahr waren es bereits knapp 4,2 Millionen Tonnen.

Politiker sähen es gerne, wenn der Hafen enger mit den Kollegen in Ludwigshafen zusammenarbeitete oder es gar eine Fusion der beiden Häfen gäbe. Gemeinsam wären sie dann der größte Binnenhafen Deutschlands. Damit würden sie den bisher unangefochtenen Spitzenreiter Duisburg verdrängen. Doch bei den Hafenmanagern ist Skepsis über die Fusionspläne zu spüren.

„Das Thema kommt immer mal wieder hoch“, sagt Hörner. „Die Größe wäre sicher ein gutes Marketingargument für die Region Rhein-Neckar.“ Ein Gutachten soll jetzt erst einmal die Potenziale der beiden Häfen herausarbeiten und vergleichen.

Derweil konzentriert sich der Mannheimer Hafen darauf, aus eigener Kraft zu wachsen. Eine neue Regelung, wonach herkömmlichem Diesel künftig Biodiesel beigemischt werden darf, hat Hafendirektor Hörner auf eine Idee gebracht. Er will künftig verstärkt auf nachwachsende Rohstoffe setzen. Entsprechende Firmen, die zum Beispiel Biodiesel aus Raps produzieren, könnten sich im Hafen niederlassen, hofft er.

Zitat:

“ „Der Verkehr wird verstärkt auf die Wasserstraßen gehen“ “ – Roland Hörner,Hafendirektor –

Bild(er):

Das Gelände des Mannheimer Hafens – hell erleuchtet im Dunkeln. Rund um die Uhr werden auf dem zweitgrößten Binnenhafen Deutschlands Waren umgeschlagen – Axel Heiter Fotodesign

Quelle: Financial Times Deutschland


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