Deutsche Axa ändert Strategie radikal

Mit ausländischen Garantiepolicen will Versicherer Marktanteile gewinnen · Neue Produkte umgehen deutsche Vorgaben

VON Herbert Fromme, Köln Die deutsche Axa-Gruppe plant einen radikalen Schwenk beim Verkauf von Lebens- und Rentenversicherungen. Das Unternehmen wird nach FTD-Informationen aus unternehmensnahen Kreisen in den kommenden Monaten neue Policen einführen, bei denen eine Konzerntochter im EU-Ausland – sehr wahrscheinlich in Irland – Vertragspartner der Kunden sein wird.

Den Absatz traditioneller Kapitallebensversicherungen werde die deutsche Axa deutlich reduzieren, hieß es. „Eigentlich will die Axa die gar nicht mehr“, sagte ein Manager. Damit entgehe sie zahlreichen aufsichtsrechtlichen Zwängen.

Das Unternehmen wollte zu der fundamentalen Änderung in seiner Strategie gestern nicht Stellung nehmen. Allerdings hatte Konzernchef Henri de Castries bereits in der vergangenen Woche die Einführung neuer Produkte bei der wachstumsschwachen deutschen Tochter angekündigt.

Die neue Vertragsgeneration soll ausnahmslos auf fondsgebundenen Policen beruhen. Sie werden auch heute schon im deutschen Markt angeboten. Im Gegensatz zu Kapitallebensversicherungen trägt dabei der Kunde das Kapitalanlagerisiko, nicht der Versicherer.

Bei den neuen Axa-Policen aus dem Ausland ist das ähnlich. Allerdings bietet der französische Konzern den Kunden weitreichende und flexible Garantien an, etwa für Kapitalerhalt oder Mindestverzinsung. Die Kosten für die Garantien trägt der Kunde in Form einer niedrigeren Gesamtrendite. Die Axa wird sich entsprechend am Kapitalmarkt absichern. Dafür ist Dublin wegen der dortigen Anforderungen durch Aufsicht und Steuerbehörden gut geeignet.

Der Schritt hätte eine deutliche Entspannung der Axa-Bilanz in Deutschland zur Folge. Der Verkauf von Policen aus anderen EU-Ländern ist im Rahmen der Dienstleistungsfreiheit problemlos möglich.

Die Strategie dahinter: Nur mit Garantieverträgen kann Axa im deutschen Markt bestehen, in dem die Kunden sich an die traditionelle Lebensversicherung mit einer Zinsgarantie gewöhnt haben. Zurzeit beträgt sie 2,75 Prozent.

Gleichzeitig könnte der Konzern allerdings mit einer bisher in Deutschland unbekannten Flexibilität punkten. Vorbild sind Angebote der US-Schwestergesellschaft Axa Equitable Life, bei der Kunden mehr als 80 Investmentoptionen haben, ein Aktiendepot einschließen können und dabei eine Ertragsgarantie erhalten.

Die Garantien in deutschen Verträgen kommen die Versicherer teuer und sind bei internationalen Konzernen besonders unbeliebt. Sie müssen den Kunden entsprechende Zinsen jährlich gutschreiben und in ihrer Bilanz zeigen – anders als bei irischen oder britischen Verträgen, wo das nur bei Ablauf der Police der Fall ist. Außerdem lassen sie sich bei Rentenpolicen auf sehr lange Garantielaufzeiten von 50 Jahren oder mehr ein. Anfang 2005 hatte die Axa Leben versucht, durch eine Änderung in den Versicherungsbedingungen die Garantien in deutschen Lebensversicherungsverträgen aufzuweichen. Nach heftigen Protesten von Vertretern und Maklern musste der Konzern zurückrudern.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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