Maurice Greenberg wirbt Teams von AIG ab

Früherer Chef des weltgrößten Versicherers konkurriert mit seinem alten Unternehmen · Neue Vorwürfe gegen den 80-Jährigen

Von Herbert Fromme, Köln Wer geglaubt hat, der 80-jährige Maurice Greenberg würde sich nach seinem erzwungenen Rücktritt zur Ruhe setzen, sieht sich getäuscht. Der langjährige Chef des Versicherers American International Group (AIG) kämpft – und hat jetzt seinem alten Unternehmen sogar ganze Teams von Fachleuten abgeworben, mit denen er gegen AIG konkurriert.

Greenberg musste im März 2005 zurücktreten. Der New Yorker Generalstaatsanwalt Eliot Spitzer hatte wegen einer Bilanzmanipulation aus dem Jahr 2000 Klage gegen den nach Börsenkapitalisierung weltgrößten Versicherer und einzelne Manager erhoben. Inzwischen hat sich AIG bereit erklärt, mehr als 1 Mrd. $ an Schadensersatz zu leisten. Die Klage gegen Greenberg ist damit aber nicht aus der Welt.

Greenberg bestreitet bis heute, etwas Illegales getan zu haben. Stattdessen wirft er der jetzigen AIG-Führung vor, sich unnötig auf ein Schuldeingeständnis eingelassen zu haben. Nun greift Greenberg AIG an. Er nutzt dafür die American International Aviation Agency (AIAA), die dem Unternehmen CV Starr gehört. Greenberg kontrolliert das Makler- und Versicherungshaus.

Schon bisher hat CV Starr im Markt agiert, aber als Teil der AIG-Gruppe – jetzt gegen sie. Ganze Teams von Luftfahrt-Versicherungsspezialisten in London und den USA wurden abgeworben, bestätigte AIG. „Vor kurzem hat eine Reihe von Mitarbeitern AIG Aviation verlassen, um bei AIAA geschäftlich tätig zu sein“, schrieb der Versicherer an Kunden. Betroffen seien Fachleute aus der Risikobewertung und der Schadenabwicklung. AIG könne dennoch weiterhin alle Dienstleistungen in dem Sektor anbieten.

Ganz so ruhig sieht der Konzern die Lage wohl doch nicht. Er hat Klage gegen CV Starr eingereicht, weil das Unternehmen als Makler inzwischen vertragswidrig Geschäft an Berkshire Hathaway – Besitzer ist Greenberg-Freund Warren Buffett – und den Versicherer ACE vermittelt. Bei ACE ist Greenberg-Sohn Evan Greenberg der Chef.

Maurice Greenberg hat neben dieser Klage weitere Arbeit für seine Anwälte. Staatsanwalt Spitzer hat gerade einen zusätzlichen Bericht über Greenbergs Geschäftspraktiken veröffentlicht. Darin geht es um die Stiftung CV Starr Foundation, gegründet vom AIG-Gründer Cornelius Vander Starr. Greenberg ist Vorsitzender der Stiftung, die einen hohen Anteil an AIG-Aktien hält. Er habe vor 30 Jahren in drei Transaktionen die Stiftung um 6 Mrd. $ betrogen, so der schwere Vorwurf. „Spitzers Stellungnahme ist empörend“, sagte Greenberg. „Wenn er sich nicht hinter seiner Funktion verstecken würde, sondern das als einfacher Bürger sagte, würde er wegen übler Nachrede verklagt.“Euro

 

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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