Basler beschleunigt Schadendienst

Versicherer strebt Reaktionszeit von lediglich zwei Tagen an · Gruppe offen für weitere Übernahmen

Von Herbert Fromme, Bad Homburg Der Versicherungskonzern Basler Securitas plant die Zentralisierung der Schadenbearbeitung, um die Reaktionsgeschwindigkeit deutlich zu erhöhen. Der Aufwand könne so um mindestens fünf Prozent sinken, sagte Unternehmenschef Frank Grund der FTD. Er stützt seine Prognose auf eine aktuelle, interne Untersuchung. Zu den möglichen Auswirkungen der Zentralisierung auf Arbeitsplätze wollte Grund nichts sagen.

Der mittelgroße Versicherer mit Prämieneinnahmen von 705 Mio. Euro im Jahr 2004 folgt damit einem noch zarten Trend der Branche. Zuletzt hatten Axa und Allianz ähnliche Untersuchungsprojekte, so genannte Closed File Reviews, angestoßen.

„Das Entscheidende bei der Schadenregulierung ist die Geschwindigkeit“, sagte Grund. Wenn ein Versicherer sofort reagiert, kann er hohe Kosten sparen – wenn der Geschädigte sich gut behandelt fühlt, schaltet er keinen Rechtsanwalt ein, lässt sich bei der Reparatur beraten und kooperiert bei der Minimierung des Aufwands. „Oft dauert es eine Woche, bis wir einen Schaden gemeldet bekommen, dann manchmal wieder bis zu einer Woche, bis wir reagieren“, sagte Grund. „Das ist viel zu lange.“ Er strebt eine Reaktion binnen zweier Tage an.

„Wir haben uns 2005 schon abgeschlossene Schadenfälle mit Hilfe eines externen Beraters auf mögliche Aufwandsminderung angesehen“, sagte Grund. Das Ergebnis: Versicherungsbetrug ist nicht der zentrale Punkt. „Geschwindigkeit und mangelnde Tiefe in der Schadenbearbeitung waren die Hauptthemen.“

Deutschlandchef Grund, der 2003 vom Gerling-Konzern kam, will mit einem Fokus auf bestimmte Kundengruppen wachsen. „Wir haben sehr selektive Tarife“, sagte er. In der Autoversicherung sei das Unternehmen günstig für die Kunden, die es haben wolle, und ungünstig für andere. „Das funktioniert. Unser Ergebnis verbessert sich weiter.“ 2004 verzeichnete das Unternehmen eine Schaden- und Kostenquote von 93,1 Prozent der Beitragseinnahmen. Neue Rabatte im momentanen Preiskrieg hat die Gruppe nicht gegeben. „Man kann nicht jeden Unsinn mitmachen.“

In Grunds Zielgruppenkonzept passen die Exklusivverträge mit Volvo, Jaguar und Range Rover. Für bestimmte Branchen wie die Gastronomie entwickelt eine Tochter der Schweizer Spezialkonzepte. Ohnehin ist sie in Industrie und Gewerbe stärker präsent als Wettbewerber mit ähnlicher Größe. „In der Transportversicherung gehören wir zu den ersten zehn.“

Dazu hat die 2003 vollzogene Übernahme der Securitas in Bremen beigetragen. Die Fusion sei jetzt verdaut, so Grund. „Wir haben in dem Prozess unheimlich viel gelernt.“ Weitere Übernahmen will er nicht ausschließen. „Das ist eine Frage der Gelegenheiten.“ Aktuell gebe es aber keine Planungen.

Weiter separat läuft unter dem Dach der Basler dagegen die Konzernschwester Deutscher Ring – auch weil ein Teil des Deutschen Rings, der Krankenversicherer, ein Versicherungsverein ist. „Wir haben gute Formen der Zusammenarbeit gefunden.“

Zitat:

“ „Man kann nicht jeden Unsinnmitmachen“ “ – Frank Grund, Basler-Chef –

Bild(er):

Der frühere Gerling-Manager Frank Grund führt seit 2003 die Basler Securitas, die zur Basler in der Schweiz gehört

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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