Ergo erwägt Neustart im Internet

Münchener-Rück-Tochter spielt Online-Vertrieb für Autopolicen durch · Reaktion auf Allianz und HUK

Von Herbert Fromme, Düsseldorf Der Ergo-Konzern prüft, ob er einen neuen Internetanbieter für die Autoversicherung gründet. „Fällt die Entscheidung positiv aus, wollen wir das rasch tun und im Herbst 2006 antreten“, sagte Ergo-Manager Frank Sievers im FTD-Interview. Er ist als Vorstand bei den drei operativen Ergo-Töchtern Victoria , Hamburg-Mannheimer und DAS für das Autogeschäft zuständig.

Die zur Münchener Rück gehörenden Ergo-Gesellschaften versicherten Ende 2005 1,5 Millionen Fahrzeuge. Damit musste die Nummer zehn im Automarkt gegenüber Ende 2004 einen Rückgang um 4,3 Prozent hinnehmen. „Die niedrigen Preise machen wir nicht mit“, sagte Sievers. „Wir wollen mit der Autoversicherung weiterhin Geld verdienen.“ Das Projekt Internet-Versicherer sei deshalb keine Reaktion auf den Rückgang im Jahr 2005.

„Wir müssen uns fragen, ob sich im Markt grundlegende Änderungen vollziehen“, sagte Sievers und verwies auf das Beispiel Großbritannien. Dort haben Direkt- und Internetversicherer – die per Post, Telefon oder Web verkaufen und nicht über Vertreter und Makler – von 2001 bis 2005 ihren Marktanteil von 10 auf 45 Prozent gesteigert. In Deutschland haben Direkt- und Internetanbieter dagegen nur einen Marktanteil von nur 4,5 Prozent. Ihnen hatten Experten zwar immer wieder rasches Wachstum vorhergesagt, zuletzt im Internet-Boom Ende der 90er. Bisher blieb der große Sprung aber aus.

Seit zwei Jahren wird das Thema dennoch wieder wichtiger. Dazu hat der Erfolg der HUK 24 beigetragen, einer Internet-Tochter der HUK Coburg. Das Unternehmen hat einen stattlichen Bestand von 391 000 Kfz-Verträgen aufgebaut, die gesamte HUK hat 7,5 Millionen. „Die HUK 24 ist unser wichtigster Wachstumsträger „, sagte ein Sprecher des Marktzweiten.

Seit Oktober 2005 ist auch der Marktführer Allianz mit der Allianz 24 im Internet präsent. Bisher konnte sie rund 10 000 Kunden gewinnen, ein Bruchteil der insgesamt neun Millionen Allianz-versicherter Fahrzeuge. Trotzdem gilt die Gründung der Allianz 24 als Signal für den Markt.

Ergo spielt mehrere Möglichkeiten durch. „Wir könnten analog zu HUK 24 oder Allianz 24 so etwas wie Victoria 24 gründen, also sehr eng an unseren Marken bleiben“, sagte Sievers. Dies würde wahrscheinlich zu heftigen Auseinandersetzungen mit den Versicherungsvertretern der Gruppe führen. Eine andere Möglichkeit sei eine Gründung unter der Marke Ergo. Der Konzern ist bislang unter seinem Namen in Deutschland nicht als operativer Versicherer aktiv, sondern nur als Holdinggesellschaft.

Ende 2003 hatte Ergo einen ersten Anlauf in das Internet abrupt beendet: Der Spezialanbieter Intodo, der vor allem Hausrat- und Gebäudepolicen per Web verkaufen sollte, kostete den Konzern knapp 40 Mio. Euro und setzte nur 3500 Policen ab. Heute hat Ergo mit den KarstadtQuelle-Versicherungen noch einen kleinen Internetanbieter, der vor allem auf Versandhandelskunden zielt. „Wir prüfen, ob die technische Plattform für unser Projekt nutzbar wäre“, sagte Sievers.

Über das Internet könne man Kunden selektiv ansprechen, sagte Sievers. „Sie müssen Ihre Preise so gestalten, dass Sie bei den von Ihnen gewünschten Kundengruppen in Internet-Vergleichsprogrammen unter den ersten drei oder fünf sind“, sagte er. Das preissensible Publikum blättere gar nicht erst auf die Seite mit den teureren Anbietern.

Die deutschen Autoversicherer verdienen seit drei Jahren wieder ordentlich, nachdem sie sich zuvor einen erbitterten Preiskrieg geliefert hatten. Allerdings hat die Allianz den Kampf längst wieder aufgenommen. Seit Mitte 2004, versucht der Marktführer mit Hilfe günstigerer Tarife und neuer Verfahren zur Risikoselektion die Angriffe von HUK Coburg, LVM, DEVK und anderen Billiganbietern abzuwehren, und konnte damit den Abrieb ihres Marktanteils stoppen. Zumindest 2005 verdienten die Versicherer noch gut, weil gleichzeitig die Schadenhäufigkeit zurückging.

Zitat:

„Wir müssen uns fragen, ob sich grundlegende Änderungen vollziehen“ – Frank Sievers, Ergo-Konzern –

Bild(er):

FTD-Vorschlag für die geplante Startseite der Online-Kfz-Versicherung von Ergo. Möglicherweise tritt sie unter dem Markennamen der Tochter Victoria an – Ecopix/Andreas Froese; Action-Press/Uwe Gerig; Joker/Martin Magunia; Becker&Bredel; FTD-Montage

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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