Neuer Terminal öffnet Wachstumschancen für den Hafen

Die Anlage bringt den Güterumschlag per Schiene, Straße und Wasserweg zusammen · Flughafen legt bei Fracht und Passagieren zu

Von Katrin Berkenkopf Wenn es nach den Wünschen von Harald Leupold geht, ist der Hafen Nürnberg-Roth in wenigen Jahren Teil eines engmaschigen Netzes, das die Güterverkehrszentren zwischen Nordsee, Mittelmeer und Schwarzem Meer verbindet. Seit der Eröffnung des Rhein-Main-Donau-Kanals 1992 hat der Gütertransport via Nürnberg einen stetigen Aufschwung erlebt. „Jetzt geht es darum, uns Kapazitäten zu sichern, um am weiteren Wachstum der weltweiten Containerverkehre teilzuhaben und die Verlagerung des Verkehrs weg von der Straße zu fördern“, sagt Hafen-Chef Leupold.

Im April kommt er diesem Ziel ein wichtiges Stück näher. Dann wird eine neue, so genannte trimodale Umschlagsanlage eröffnet – sie bringt die Verkehrsträger Schiene, Straße und Wasserweg zusammen. Weitere Kapa zitäten werden voraussichtlich 2008 zur Verfügung stehen, wenn die Verlagerung des Containerbahnhofs der Deutschen Bahn abgeschlossen ist. „Eine Großanlage ist sinnvoller als zwei getrennte Anlagen“, sagt Leupold. Noch im vergangenen Jahr wackelte der Zeitplan bei der Bahn wegen Finanzierungsfragen. Laut Leupold sind diese Probleme jetzt gelöst.

Im Hafengebiet sind auf 336 Hektar rund 260 Firmen ansässig. Über 5000 Menschen arbeiten hier. Der Hafen Nürnberg-Roth gehört zur Bayernhafen-Gruppe: 80 Prozent der Anteile gehören der Landesregierung über die bayerischen Landeshäfen, 19 Prozent der Stadt Nürnberg und ein Prozent der Stadt Roth.

Im vergangenen Jahr überschritt der Hafen beim Umschlag zum ersten Mal die Zehn-Millionen-Grenze: Per Lkw, Zug oder Binnenschiff gingen 10,3 Millionen Tonnen Güter durch den Hafen – 4,6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Steigerungsrate liege über dem allgemeinen Wachstum des Güterverkehrs in Deutschland, sagt Leupold – mit den Zuwächsen in Seehäfen wie Hamburg oder Bremerhaven kann Nürnberg allerdings nicht mithalten.

Tägliche Shuttlezüge in die beiden größten deutschen Häfen gibt es bereits. Ähnliche Projekte soll es mit Häfen in Südeuropa geben. Mit Rotterdam, dem größten europäischen Seehafen, spricht Nürnberg über den Aufbau einer regelmäßigen Schiffsverbindung.

Nürnberg ist das größte Güterverkehrszentrum in Süddeutschland. Die Gründe liegen nicht nur in der Geschichte als traditionelle Eisenbahnstadt. „Wir liegen zentral und haben eine exzellente Einbindung in das europäische Fernstraßennetz“, sagt Leupold.

Auch der Güterumschlag am Flughafen machte 2005 einen deutlichen Sprung nach vorn, er stieg von 71 000 auf 81 000 Tonnen. Allerdings ist nicht alles Luftfracht, was diesen Namen trägt: Manche Ware wird in Nürnberg nur flugtauglich verpackt und dann per Lkw nach Amsterdam oder zu anderen Flughäfen gebracht. Die Zahl der Passagiere stieg im vergangenen Jahr um 5,3 Prozent auf 3,85 Millionen. Damit liegt der Flughafen in Deutschland an neunter Stelle. Für dieses Jahr sind vier Millionen Reisende angepeilt. Auf die so genannten Billigflieger entfällt bei den Passagierzahlen ein Anteil von 22 Prozent.

Zitat:

“ „Jetzt geht es darum, weitere Kapazitätenzu sichern“ “ – Harald Leupold,Hafen Nürnberg-Roth –

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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