Versicherer stabilisieren Policen-Ertrag

Gesamtverzinsung bleibt laut Umfrage konstant

Von Ilse Schlingensiepen, Köln Die deutschen Lebensversicherer frieren nach einer Umfrage der Rating-Agentur Assekurata die Gesamtverzinsung auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau ein. Für 2006 hat Assekurata eine durchschnittliche Gesamtverzinsung des Sparanteils der Prämie von 4,2 Prozent ermittelt. 2005 waren es 4,3 Prozent, 2002 noch 6,1 Prozent. „Ich glaube, dass es in den nächsten fünf Jahren zu keiner Anhebung der Gewinnbeteiligung kommen wird“, sagte Geschäftsführer Reiner Will.

Die Gesamtverzinsung ist ein wesentliches Argument der Lebensversicherer gegen andere Sparprodukte wie etwa Investmentfonds. Der Abwärtstrend ist gestoppt: „Der überwiegende Teil der Versicherer hält inzwischen die Überschüsse stabil“, sagte Will. Bei der Vielzahl unterschiedlicher Kapitallebens-, Renten- oder Riester-Policen und der verschiedenen Tarifgenerationen – je nach Vertragsbeginn gilt ein unterschiedlicher Garantiezins – gebe es aber eine große Spannbreite bei den Gewinnbeteiligungen, sagte er.

Assekurata untersucht, welche Überschussbeteiligung Lebensversicherer ausschütten. Es nahmen 82 Gesellschaften mit einem Marktanteil von 93 Prozent teil. Axa, Continentale, Deutsche Ärzteversicherung, Familienschutz, Protektor und Uelzener verweigerten die Teilnahme. Sehr kleine Anbieter wurden nicht einbezogen.

Neben dem garantierten Rechnungszins bestimmen die laufende Überschussbeteiligung und der Schlussüberschuss die Höhe der Gutschriften. Zuletzt hat sich die Bedeutung des Schlussüberschusses erhöht, also genau des Anteils, auf den der Versicherer im Gegensatz zur Garantieverzinsung und der laufenden Überschussbeteiligung bis zuletzt Zugriff hat. „In den Beispielrechnungen für die Kunden wird das oft nicht klar genug formuliert“, kritisierte Jochen Specht, Bereichsleiter Lebensversicherung bei Assekurata. Inklusive weiterer Komponenten wie der Beteiligung an Kosten- und Risikogewinnen erhalten die Versicherten im Schnitt eine Verzinsung von mehr als fünf Prozent auf den Sparanteil, so Will.

Die künftigen Gewinnbeteiligungen könnten durch das Urteil des Bundesgerichtshofs zu frühzeitig gekündigten Policen geschmälert werden. Sollten alle anspruchsberechtigten Kunden Nachzahlungen erhalten, würden sich diese nach einer Hochrechnung von Assekurata auf 2,3 bis 2,6 Mrd. Euro belaufen.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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