Zurich baut in Deutschland um

Versicherungsgruppe legt zahlreiche Funktionen zusammen · Mehr als 300 Arbeitsplätze gefährdet

Von Herbert Fromme, Zürich Die Versicherungsgruppe Zurich Financial Services plant einen weitreichenden Umbau ihrer deutschen Unternehmen: Zurich wird die Töchter so weit wie möglich fusionieren und einen Teil der Abrechnungsarbeiten nach Polen verlagern. Europachef Dieter Wemmer bestätigte entsprechende FTD-Informationen am Rande der Jahrespressekonferenz in Zürich.

Nach Angaben aus Versicherungskreisen bedeutet das Programm einen Job-Abbau zwischen fünf und zehn Prozent. Das wären mehr als 300 Arbeitsplätze. Zurzeit beschäftigt die Gruppe 6080 Angestellte in Deutschland. Wemmer wollte zu einem möglichen Jobabbau nicht Stellung nehmen. „Wir sprechen über solche Dinge zunächst mit beteiligten Organen wie den Betriebsräten“, sagte er. Die Gruppe wolle für den Vertrieb zu den 3000 Vertretern weitere 700 gewinnen.

Zurich hat in Deutschland sechs operative Versicherer und eine Holding. Die Struktur ist das Ergebnis einer Reihe von Fusionen, zuletzt übernahm Zurich 2001 die Deutscher-Herold-Gruppe von der Deutschen Bank. Bei der jetzt geplanten Zusammenlegung bleibt nur der Direktversicherer Deutsche Allgemeine (DA) außen vor. Rund 70 Arbeitsplätze aus der deutschen Finanzbuchhaltung werden im Rahmen eines globalen Outsourcing-Deals der Zurich mit dem Dienstleister Capgemini abgebaut. Capgemini wird diese Arbeiten – zum Beispiel den Zahlungseingang – künftig von Kattowitz in Polen aus erledigen.

Zurichs Umbaupläne stehen in einer Reihe ähnlicher Umbauten anderer Gesellschaften wie Allianz, Axa und Ergo. Unter dem Druck verschärfter Konkurrenz, niedriger Erträge aus Kapitalanlagen und sinkender Preise in Kerngeschäften wie der Autoversicherung versuchen sie, Synergieeffekte zu heben und industrielle Arbeitsformen einzuführen.

Konzernchef James Schiro sagte, das gesamte Unternehmen habe seine Arbeitsweise gestrafft und Kostenquoten gesenkt. Der Konzern meldete für 2005 einen Gewinn nach Steuern von 3,2 Mrd. $, eine Steigerung um 30 Prozent – trotz Schäden von 1,3 Mrd. $ aus den Hurrikans. Die Ausschüttung an die Aktionäre für 2005 soll um 75 Prozent auf 7 Schweizer Franken pro Aktie steigen. Die Börse reagierte mit einem Kursplus von sechs Prozent.

Schiro verteidigte den Rückgang der Prämieneinnahmen um fünf Prozent auf 46,8 Mrd. $. Das Unternehmen habe unprofitables Geschäft aufgegeben und bestimmte Preissenkungen nicht mitgemacht. „Wir fokussieren uns auf Wachstum in profitablen Marktsegmenten“, sagte er. Übernahmen wollte er nicht ausschließen, „wenn sich Gelegenheiten bieten“. Es gebe aber keine spezifische Übernahmestrategie.

Bild(er):

Alles neu in der Bundesrepublik: Bei Zurich Financial bleibt in Deutschland kaum ein Teil auf dem anderen. Der Konzern baut kräftig um

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

Diskutieren Sie mit