Generali-Chef erwartet Kahlschlag

Thießen taxiert Überkapazität auf 25 Prozent · Stagnation bei Schadenversicherung

Von Herbert Fromme, Bergisch-Gladbach Die Versicherungswirtschaft wird in den nächsten Jahren massiv Personal abbauen. „Ein Viertel ist da noch drin“, sagte Walter Thießen, Chef des Versicherungskonzerns AMB Generali. „Wir sind in der Branche ja erst am Anfang“, sagte er in Hinsicht auf die Umbauprogramme der Assekuranz. Zur Zeit hat die Versicherungswirtschaft 233 000 Angestellte, die zum überwiegenden Teil im Innendienst arbeiten.

Thießen nannte die Zahl gestern im Rahmen eines Vortrags über die Zukunft des Versicherungsmarktes bis 2020. „In den nächsten zehn Jahren wird es starke Veränderungen geben“, sagte er. Das treibende Element bei allen Einsparprozessen sei das Personal. „Die Unternehmen, die das gut können und die das schlecht können, werden sich da deutlich unterscheiden“, sagte Thießen.

Die AMB Generali will unmittelbarer Zukunft rund 1000 von 17 000 Stellen abbauen und den Konzern grundlegend umbauen. Das hatte der Mutterkonzern Generali am Montag in Mailand mitgeteilt. Der Abbau von 1000 Stellen sei noch nicht alles, sagte Thießen. Weitere Zahlen zur künftigen Personalentwicklung seiner Gruppe wollte er nicht nennen. Künftig sollen viele Verwaltungs- und Kundendienstarbeiten nicht mehr von einzelnen Versicherern in der AMB-Gruppe, sondern gruppenweit von Servicegesellschaften erledigt werden. Bei der IT ist das schon heute der Fall.

Die Fertigungsdichte in der Assekuranz sei noch sehr hoch, das werde sich ändern, sagte Thießen. Statt alles selber zu machen, würden Versicherer künftig viel mehr Dienstleistungen kaufen und gleichzeitig selbst Leistungen anbieten, bei denen sie Kostenführer seien.

Thießen sieht die Lebensversicherung weiterhin als großen Wachstumsmarkt, wenn auch die Konkurrenz der Fonds um den Altersvorsorgemarkt kräftig zunehmen werde. Die private Krankenversicherung sei auch potenziell ein Wachstumsmarkt – nicht unbedingt nur in dem jetzigen Modell der Vollversicherung, die politisch durch Reformmodelle von CDU und SPD bedroht ist. „Wenn wir unser Geschäft nicht mehr mit Vollversicherung machen können, machen wir es halt mit Zusatzversicherungen“, sagte er. Die würden dann mehr und mehr nach dem Modell der Schadenversicherung – also ohne Alterungsrückstellungen – kalkuliert. Da könne man als klug handelnder Versicherer „auch richtig angreifen“. In der Schaden- und Unfallversicherung gebe es kaum noch Wachstumspotenziale, dort herrsche der Verdrängungswettbewerb. „Wir brauchen Schnelligkeit bei der Produkteinführung und Mut zur Innovation.“ Im Vertrieb sieht er die Zukunft in der Vielfältigkeit. Kleine Agenturen hätten weniger Chancen als größere Agenturen, bei denen mehrere Spezialisten zusammenarbeiten könnten.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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