Kunden müssen nach Verträgen gut suchen

Riester-Banksparpläne bei vielen Anbietern nicht beliebt

Von Friederike Krieger Auch die Riesterförderung hat die Banksparpläne nicht aus ihrem Schattendasein befreien können. Da die privaten Banken die Verträge mangels lukrativer Verdienstmöglichkeiten kaum vertreiben, müssen Sparwillige die Republik nach den Angeboten von Sparkassen und Genossenschaftsbanken durchforsten.

Ein Banksparplan funktioniert denkbar einfach: Die Sparer zahlen monatliche Raten an ihre Bank, die sich durch Verzinsung bis zum vereinbarten Laufzeitende zu einer fest kalkulierbaren Summe auftürmen sollen. Oft bieten Banken zudem noch Bonus-Systeme an, wie von Jahr zu Jahr steigende Zinssätze oder Bonus-Zahlungen am Laufzeitende.

Für die private Altersvorsorge spielten die Banksparpläne in der Vergangenheit keine große Rolle, denn wer große Summen zusammensparte, überschritt schnell seine Steuerfreibeträge. Durch die Riesterförderung ist die Ansparphase nun von der Steuer befreit, der Fiskus greift erst in der Rentenphase zu. „Steuerlich nehmen sich Banksparplan und private Rentenversicherung nicht mehr viel“, sagt Uwe Döhler, Altersvorsorgeexperte von Finanztest. Vor allem für ältere Sparer, denen nicht mehr viel Zeit bis zur Rente bleibt, biete der Banksparplan eine risikolose Anlagemöglichkeit.

Geringes Sparplan-Angebot

Trotz Riester-Förderung hat sich der Banksparplan nicht zum Verkaufsschlager entwickelt. Von den 5,6 Millionen Riesterverträgen, die bis Ende 2005 abgeschlossen worden sind, waren nur 260 000 Banksparpläne. Den Löwenanteil machten mit gut 4,8 Millionen die Versicherungen aus. „Während bei den Versicherungen der Vermittler auf die Kunden zugeht, müssen sie bei Banksparplänen selbst aktiv werden“, erklärt sich Döhler das ungleiche Interesse. In Sachen Banksparpläne ist viel Eigeninitiative gefragt. Bei privaten Banken sind die Produkte kaum zu bekommen. Die rund 3200 Zertifikate für Riester-Bankensparpläne, die bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) registriert sind, haben fast ausschließlich Sparkassen und Genossenschaftsbanken beantragt. Doch auch von diesen Banken vertreibt nur jedes zehnte Institut ein solches Produkt. In manchen Regionen wie in Berlin und Brandenburg lässt sich keine einzige Bank finden, die einen Riester-Sparplan anbietet. Die Kunden müssen bundesweit auf die Suche gehen.

Dass sich private Banken noch viel weniger als Sparkassen und Genossenschaftsbanken für den Verkauf von Sparplänen erwärmen lassen, hänge mit der unterschiedlichen Kundenstruktur zusammen, sagt Kerstin Altendorf vom Bundesverband deutscher Banken. Für die im Vergleich zu den Sparkassen und Genossenschaftsbanken jüngere Klientel der Privatbanken seien Investmentfonds besser geeignet, da sie höhere Renditechancen bieten.

Geringe Verdienstmöglichkeiten

Dorothea Kleine vom Verbraucherzentrale Bundesverband hält die Absage an die Banksparpläne eher für eine geschäftspolitische Entscheidung. „Die Verdienstmöglichkeiten für die Banken sind ungleich niedriger“, erklärt sie. Im Gegensatz zu Investmentfondsverträgen und Versicherungen fallen bei Banksparplänen weder Abschlusskosten noch laufende Kosten an – vorteilhaft für den Kunden, wenig lukrativ für die Bank.

Die Sparkassen und Genossenschaftsbanken, die Riester-Sparpläne anbieten, profitieren indes von der Zurückhaltung der privaten Banken. Die Stadtsparkasse Gelsenkirchen hat im vergangenen Jahr rund 2100 Sparplan-Verträge abgeschlossen, auch mit zahlreichen Kunden außerhalb des Geschäftsgebiets. „Banksparpläne lassen sich leichter verkaufen als andere Riester-Produkte“, sagt Dirk Heemann von der Gelsenkirchener Kasse. Viele Kunden hätten die Sparpläne schon für die vermögenswirksamen Leistungen genutzt, so dass die Bankberater nur wenig erklären müssen.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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