Lebensversicherer suchen nach neuem Renner

Bisher kein Ersatz für klassische Lebensversicherung

Von Herbert Fromme Mit rund 2,5 Prozent wird das von der Branche erwartete Wachstum der Beitragseinnahmen in der Lebensversicherung 2006 deutlich niedriger ausfallen als 2005. Im vergangenen Jahr konnte die Branche ihre Einnahmen um satte 6,1 Prozent auf 72,6 Mrd. Euro steigern. Im Jahr 2004 hatten Steueränderungen das Neugeschäft angeheizt. Das schlug sich 2005 in hohen Beitragszahlungen nieder.

Jetzt flacht dieser Sondereffekt ab. Im Gegenteil: Die schwache Neugeschäftsentwicklung des Jahres 2005 macht sich negativ bemerkbar. Dass es überhaupt zu den 2,5 Prozent kommt, liegt an einem Sondereffekt, der quasi automatischen Anpassung der Riester-Verträge, die von mehr als drei Vierteln aller Kunden mitgemacht wird. Seit dem 1. Januar 2006 können die Riester-Kunden drei Prozent ihrer Bruttoeinnahmen sparen und dafür staatliche Förderung kassieren, 2008 wird dann mit vier Prozent die Endstufe des Riester-Modelles erreicht.

„Wir sind überzeugt, dass wir die 2005 im Neugeschäft beobachtete Delle im laufenden Jahr überwinden“, sagt Bernhard Schareck, Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Die Stimmung sei positiv, so sehe die Branche bei Riester eine Fortsetzung der dynamischen Entwicklung des Jahres 2005.

Die Begeisterung für Riester kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass den Lebensversicherern bisher ein durchschlagendes neues Angebot fehlt, das die nicht mehr voll steuerlich geförderte Kapitallebensversicherung ersetzt. 2004 verkauften die Lebensversicherer 12,8 Millionen Verträge, 2005 noch 7,8 Millionen. Rund zehn Millionen Verträge muss die Branche im Jahresschnitt absetzen, um Abgänge wettzumachen und moderates Wachstum zu erzielen. Die 1,1 Millionen Riester-Verträge, die sie 2005 absetzte, reichen da nicht aus.

Jetzt probieren Allianz Leben und Axa Leben neue Formen von fondsgebundenen Policen aus, die sehr flexibel und gleichzeitig mit Zinsgarantien ausgestattet sind – allerdings nicht nach dem deutschen Modell der Lebensversicherung. Beide Gesellschaften haben die Idee von Schwestergesellschaften in den USA übernommen, dort laufen solche Verträge – die teilweise sogar den Einschluss von Aktiendepots ermöglichen – gut. Auch bei den Verkäufern kommt das neue Angebot an.

Zitat:

„Wir überwinden die Delle im Neugeschäft“ – Bernhard Schareck, GDV-Präsident –

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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