Münchener Rück trotzt Hurrikans

Rekordergebnis dank Sondererträgen · Versicherer lehnt Zukäufe ab und betont Ertragsziele

Von Herbert Fromme, München Die Münchener Rückversicherung erwartet für 2006 zwischen 2,6 Mrd. Euro Euro und 2,8 Mrd. Euro Gewinn – auf dem Niveau des Rekordergebnisses von 2005 in Höhe von 2,7 Mrd. Euro. Vorstandschef Nikolaus von Bomhard sagte, das Unternehmen sei erfolgreich bei seinen Bemühungen, die traditionell starken Schwankungen des Ergebnisses eines Rückversicherers zu reduzieren.

Die Münchener Rück ist ein Großhändler des Risikoschutzes. Sie deckt Erstversicherer ab, die wiederum Endkunden versichern.

Die Gewinnsteigerung von 1,9 Mrd.Euro im Jahr 2004 auf 2,7 Mrd. Euro 2005 erreichte der weltweit zweitgrößte Anbieter trotz erheblicher Belastungen aus Katastrophenschäden. Für die Hurrikans in den USA zahlte das Unternehmen 2,7 Mrd. Euro an seine Kunden, die Erstversicherer – genauso viel wie der Jahresgewinn.

Auch die US-Tochter American Re hielt die Hand auf. Für eine erneute Reservestärkung zur Abdeckung von Altlasten musste die Mutter 1,3 Mrd. Euro einschießen.

Dass Finanzchef Jörg Schneider trotzdem den Rekordgewinn verkünden konnte, verdankt der Konzern dem Verkauf von Unternehmensbeteiligungen und dem Umtausch der HVB-Aktien in Unicredit-Papiere. Allein die Abgabe von drei Prozent an der Allianz sorgte für 563 Mio. Euro zusätzlichen Gewinn, der HVB/Unicredit-Umtausch für 988 Mio. Euro. Das Unternehmen reduzierte auch Beteiligungen an MAN und Commerzbank und verkaufte die kleine Tochter Karlsruher an die W&W-Gruppe.

Trotzdem sei es falsch, von einem Verkauf des Tafelsilbers zu sprechen, sagte von Bomhard: „Wir haben das Tafelsilber neu sortiert, und es liegt mehr in der Schublade als vorher.“ Die Münchener Rück hat trotz der Verkäufe ihre unrealisierten Gewinne von 8,4 Mrd. Euro auf 11 Mrd. Euro gesteigert, auch wegen der Börsenentwicklung.

Von Bomhard erwartet eine weitere Konsolidierung des Rückversicherungsmarktes über die zurzeit stattfindende Übernahme des Marktfünften GE Insurance Solutions durch Swiss Re hinaus. Einige Investoren seien unzufrieden mit ihren Rückversicherungsengagements. Außerdem müssten reine Katastrophenrückversicherer auf Bermuda entweder zukaufen oder sich kaufen lassen.

Die Münchener Rück will sich nicht an der Konsolidierung beteiligen. „Akquisitionen auf der Rückversicherungsseite stehen nicht auf der Liste“, sagte von Bomhard. Sie seien in der gegebenen Lage der Münchener Rück „nicht wertschaffend“. Allenfalls werde man kleinere Bestände zur Abrundung des bestehenden Geschäfts erwerben.

Wachstumschancen sieht von Bomhard unter anderem in der Gesundheitswirtschaft, in der die Münchener Rück nicht nur versichert, sondern auch als Anbieter von Gesundheitsleistungen auftritt.

Zum Verlust der Weltmarktführerschaft nach dem Deal zwischen Swiss Re und GE gab sich von Bomhard betont gelassen. „Stört uns das, macht uns das unsicher, werden wir nervös? Nein, überhaupt nicht“, sagte er. Die Münchener Rück habe keinerlei Volumenziele. „Es kommt auf das Ergebnis an.“ Einen Rückgang von Marktanteilen könne man lange aushalten.

Die Gruppe hatte 2005 in ihrem Kerngeschäft vor allem in Asien zugelegt. In Europa und den USA gingen die Beitragseinnahmen dagegen leicht zurück. Insgesamt stagnierten die Rückversicherungsbeiträge bei 23,4 Mrd. Euro.

Von Bomhard erteilte allen Erwartungen eine Absage, die Münchener Rück könne über kurz oder lang ihre Erstversicherungstochter Ergo verkaufen. „Nichts ist überzeugender als der Gewinn.“

Ergo macht den überwiegenden Teil des Erstversicherungsgeschäfts im Konzern aus, in dem er 2005 Beiträge von 17,6 Mrd. Euro erzielte, ein Plus von 0,3 Prozent. Der Gewinn stieg von 317 Mio. Euro auf 1,2 Mrd. Euro.

Bild(er):

Die Münchener Rück ist nicht mehr der weltgrößte Rückversicherer. Vorstandschef Nikolaus von Bomhard gab sich gestern auf der Bilanzpressekonferenz gelassen – Getty Images/Jan Pitman

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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