Augsburg Re sucht Geldgeber für Börsengang

Ex-Frankona-Manager braucht 1 Mrd. Dollar

Von Herbert Fromme, Köln Klaus Gierstner, früher Vorstandsmitglied der Frankona Rückversicherung, versucht es erneut. Nach mehreren vergeblichen Anläufen in den vergangenen vier Jahren will Gierstner einen neuen Rückversicherer aus der Taufe heben, der mit 1 Mrd. $ Kapital ausgestattet sein soll.

Nach Angaben aus Londoner Versicherungskreisen strebt Gierstner für das Unternehmen eine Notierung am Londoner Alternative Investment Market (AIM) an, einem Segment der London Stock Exchange. Er führe zurzeit Gespräche mit einer Reihe von möglichen Geldgebern, darunter Hedge-Fonds, hieß es. Bankenkreise äußerten sich aber skeptisch zu einem Bericht im Londoner „Daily Telegraph“, nach dem Credit Suisse die Neugründung unterstützt. Gierstner wollte nicht Stellung nehmen.

Der 51-jährige Manager besitzt seit 2002 die Zeichnungsagentur Augsburger Rück Kontor GmbH, die mit 25 000 Euro Stammkapital gegründet wurde. Sie tritt als Augsburg Re auf und vermittelt Luftfahrtgeschäft in den Londoner Versicherungsmarkt Lloyd’s. 2005 belief sich das vermittelte Prämienvolumen auf 75 Mio. $.

Zurzeit baut Augsburg Re stark aus. In Versicherungskreisen hieß es, Gierstner habe beim französischen Luftfahrtversicherer La Réunion Aérienne mehrere Spezialisten abgeworben. Die neue Gesellschaft werde über die Luftfahrt hinaus Rückversicherung anbieten.

Nach dem Wirbelsturm „Katrina“ wurden eine Reihe von Rückversicherern neu gegründet oder Tochtergesellschaften bestehender Unternehmen mit frischem Geld ausgestattet, die meisten in Bermuda, einige auch in London. Mit ihnen wollten Anleger von den erwarteten hohen Preisen in der Rückversicherung als Folge der Katastrophen profitieren. Eine Kapitalausstattung von 1 Mrd. $ gilt bei den Neugründungen als Mindestmaß, um ein ordentliches Rating zu erhalten. Allerdings steigen die Preise außerhalb der Katastrophendeckungen nicht so stark wie erwartet.

„Gierstner kommt spät mit seiner Neugründung, weil er wahrscheinlich erst für Anfang 2007 neues Geschäft zeichnen kann“, sagte ein Manager. „Inzwischen fallen gerade in der Luftfahrt die Preise weiter.“ Aber er sieht trotzdem gute Chancen für den Versuch der Neugründung. „Es ist unglaublich viel Kapital im Markt, das sich für solche Projekte interessiert.“

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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