HSH Nordbank prüft Börsengang

Eigentümer laden Investmentbanken ein · WestLB sucht Käufer für ihren Anteil von 27 Prozent

VON Sven clausen, Meike Schreiber, Frankfurt,und Herbert Fromme, Köln B ei der staatseigenen HSH Nordbank zeichnet sich ein grundlegender Wechsel in der Eigentümerstruktur ab. Für kommenden Freitag haben die Bundesländer Hamburg und Schleswig-Holstein mehrere Investmentbanken eingeladen. Sie sollen den Eignern unter anderem die Vorteile eines möglichen Börsengangs aufzeigen. Das erfuhr die FTD aus dem Umfeld der Bank.

Gleichzeitig hat die WestLB nach FTD-Informationen Interessenten für ihren 27-Prozent-Anteil an der HSH ausgemacht und sondiert derzeit einen Verkauf. Neben Hamburg, Schleswig-Holstein und der WestLB hält der Sparkassen- und Giroverband für Schleswig-Holstein Anteile an der bereits als Aktiengesellschaft firmierenden fünftgrößten Landesbank.

Mit dem Verkauf von Anteilen an der HSH Nordbank bietet sich Privaten erstmals die Chance zu einem bedeutenden Einstieg bei einer Landesbank. Vor allem die börsennotierten deutschen Geldinstitute haben die Politik mehrfach aufgefordert, Sparkassen und Landesbanken für private Investoren zu öffnen – um Aufkäufe und damit Kostensenkungen zu ermöglichen. Zwar ist die kleinere Bankgesellschaft Berlin bereits an der Börse, ihr Streubesitz beträgt aber weniger als zehn Prozent.

Die HSH Nordbank ist mit einer Bilanzsumme von 164 Mrd. Euro zwar nur die neuntgrößte deutsche Bank, mit einem Volumen von 25 Mrd. Euro aber der größte Schiffsfinanzierer der Welt. Nach Schätzungen von Analysten könnte die Bank einen Börsenwert von deutlich mehr als 4 Mrd. Euro erzielen. Je nach Anteil der verkauften Aktien wäre sie ein Kandidat für das Nebenwertesegment MDax. „Das Geschäftsmodell der Bank entwickelt sich gut, insofern ist der Börsengang durchaus eine Option“, sagte Luis Maglanoc, Analyst der HypoVereinsbank.

Eine Sprecherin des Landes Schleswig-Holstein bestätigte, dass ein Auftrag über eine allgemeine Beratung für die Anteile der Länder an der HSH Nordbank nichtöffentlich ausgeschrieben worden sei. Der Auftrag habe allerdings keine Zielrichtung. Unlängst hatte Schleswig-Holsteins Finanzminister Rainer Wiegard (CDU) angedeutet, sich von Vermögenswerten trennen zu wollen, den Anteil des Landes an der HSH Nordbank dabei aber nicht explizit genannt.

Im Umfeld der Bank hieß es, neben einem Börsengang werde auf dem Treffen mit den Investmentbanken auch der mögliche Verkauf von Anteilen an strategische Partner Thema sein. Allerdings sei fraglich, Interessenten einen hohen Preis abverlangen zu können, wenn lediglich ein Minderheitsanteil zum Verkauf stehe.

Die zwei Länder und der Sparkassenverband haben eine Haltevereinbarung bis 2013. Demnach müssen sie zusammen mindestens 50,1 Prozent halten, es sei denn, sie einigen sich auf eine neue Regel. Die WestLB ist nicht Teil der Haltevereinbarung, die anderen Aktionäre haben jedoch ein Vorkaufsrecht für ihren Anteil. Angesichts der schwierigen Haushaltslage in Schleswig-Holstein und Hamburg gilt es allerdings als unwahrscheinlich, dass die Länder ihr Recht nutzen werden.

HSH-Nordbank-Vorstandschef Alexander Stuhlmann hatte bereits mehrfach einen Börsengang als Option bezeichnet: So hatte er im vergangenen Jahr angekündigt, die Bank so zu organisieren, „dass unsere Eigentümer 2007 die Option haben, ihre Anteile beispielsweise auch über einen Börsengang zu veräußern“. Zuletzt hatte er etwaige Pläne aber heruntergespielt.

In Finanzkreisen gilt daher der geplante Verkauf des Aktienpakets der WestLB als Grund, wieder konkreter über einen Börsengang nachzudenken. „Der Aufkäufer könnte dann seinen Anteil wieder über die Börse verkaufen, die HSH könnte sich so eines möglicherweise unwillkommenen Großaktionärs entledigen“, hieß es von einer Person, die mit den Überlegungen vertraut ist. Die betroffenen Banken wollten die Informationen nicht kommentieren.

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Fahrt voraus: Die HSH Nordbank, größter Schiffsfinanzierer der Welt, bereitet einen Aktienverkauf vor

www.FTD.de/Landesbanken

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Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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