R+V hängt den Markt ab

Versicherer sieht durch genossenschaftlichen Finanzverbund weiteres Wachstumspotenzial

Von Ilse Schlingensiepen, Wiesbaden Die Versicherungsgruppe R+V übertrumpft mit ihrem Wachstumskurs die Konkurrenz. „Auch 2006 werden wir wieder deutlich besser abschneiden als der Markt“, kündigte der Vorstandsvorsitzende Jürgen Förterer an. Den Gewinn weiterer Marktanteile will der Versicherer vor allem aus eigener Kraft erreichen. „Wir werden unser Geschäftsmodell weiter optimieren“, sagte Förterer.

Die R+V gehört zum genossenschaftlichen Finanzverbund, die Abkürzung steht für Raiffeisen- und Volksbanken. Die DZ Bank hält 74,0 Prozent. Die genossenschaftlichen Banken sind nicht nur Eigner, sondern auch wesentlicher Vertriebsweg. In der Lebens- und der Krankenversicherung kommen 90 Prozent des Neugeschäfts über sie, in der Schaden-/Unfallversicherung 60 bis 65 Prozent.

In zwei Regionen hat die R+V allerdings Konkurrenz: In Bayern kooperieren viele genossenschaftliche Banken mit der Allianz. In Baden kommt der R+V die Karlsruher in die Quere, die gerade von der Münchener Rück an die W&W-Gruppe verkauft wurde. In beiden Bereichen habe man bereits Fortschritte erzielt, berichtete Vertriebsvorstand Hans-Christian Marschler. „Wir sind sehr optimistisch, was den weiteren Ausbau des Geschäfts mit der bayerischen Genossenschafts-Organisation betrifft“, sagte er. Nach Bilanzsumme der Banken habe man den Kooperationsanteil von 40 auf 44 Prozent erhöht. In Baden sei man in der Lebensversicherung bei rund 80 Prozent. Der Kauf der Karlsruher-Gruppe sei für die R+V keine ernsthafte Option gewesen, sagte Förterer.

„Das Allfinanz-Konzept im Finanzverbund ist eine Erfolgsgeschichte und wird immer erfolgreich bleiben“, so Förterer, der am 30. April in den Ruhestand geht. Sein Nachfolger wird Friedrich Caspers, der Anfang 2006 von der Allianz kam. Weitere Gründe für den Erfolg der R+V sind aus Förterers Sicht das Angebot Zielgruppen orientierter Produkte und das hohe Serviceniveau. Diese Faktoren hätten dazu geführt, dass die Wiesbadener im deutschen Geschäft in den vergangenen zehn Jahren die Konkurrenz beim Wachstum hinter sich gelassen haben. Während die Branche zwischen 1995 und 2005 bei den Beitragseinnahmen um 41,7 Prozent zugelegt habe, seien es bei R+V 79,9 Prozent gewesen.

In der Lebensversicherung sieht sich die R+V als zweitgrößten Anbieter hinter der Allianz, in der Schaden-/Unfallversicherung zählt sie zu den größten fünf. 2006 wolle die Gruppe in der Kreditversicherung die Nummer drei werden und damit die Coface/Allgemeine Kredit überholen, sagte Förterer. 2005 betrugen die Prämieneinnahmen in der Kreditversicherung 242 Mio. Euro, 2006 sollen es mindestens 270 Mio. Euro werden.

„2005 war das beste Jahr in der R+V-Geschichte“, berichtete der Vorstandschef. Die Gruppe konnte nach seinen Angaben in allen Sparten den Marktanteil ausbauen. Die gebuchten Bruttobeiträge nahmen um 1,9 Prozent auf 8,1 Mrd.Euro zu. Das geringe Plus ist auf einen Sondereffekt in der Bilanzierung 2004 zurückzuführen. In der deutschen Erstversicherung legte die R+V um 7,5 Prozent zu, verglichen mit einem Marktwachstum von 3,5 Prozent. Die Beitragseinnahmen der Lebensversicherer stiegen um 11,4 Prozent auf 4,2 Mrd. Euro, die Schaden-/Unfallversicherer wuchsen um 2,5 Prozent auf 3,1 MrdEuro.

Das Kapitalanlageergebnis verbesserte sich von 1,9 Mrd. Euro auf 2,3 Mrd. Euro, der Jahresüberschuss stieg um 64,1 Prozent auf 156 Mio. Euro. Für 2005 erhöht R+V die Dividende von 5,50 Euroauf 6,50 Euro pro Stückaktie. Für 2006 erwartet Förterer eine Dividende in gleicher Höhe. „Auch das Ergebnis wird sich wieder im dreistelligen Bereich befinden“, prognostizierte er.

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Stark wie Superman präsentiert sich die R+V-Versicherung. Nachdem sie schon 2005 den Markt hinter sich gelassen haben, wollen die Genossen auch in diesem Jahr die Wettbeweber übertrumpfen

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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