Allianz erwartet Preisknick

Kostensenkung soll Gewinn trotzdem auf heutiger Höhe halten · Gute Quartalszahlen vorgelegt

Von Herbert Fromme, München Der Allianz-Konzern erwartet sinkende Preise in der Schaden- und Unfallversicherung und will sie durch niedrigere Kosten auffangen. Das sagte Finanzchef Helmut Perlet bei der Vorstellung der Quartalszahlen. „Wir müssen von der Tendenz her davon ausgehen, dass die Preis flach bleiben oder leicht Richtung Senkung gehen.“ Er erwartet, dass der Konzern dies durch die Umstrukturierung ausgleichen kann.

Die hoch profitable Allianz ist mitten in einem weit reichenden Umbauprogramm, mit dem das Management unter Michael Diekmann jährlich rund 600 Mio. Euro einsparen will. Die drei deutschen Versicherungstöchter wurden unter einer neuen Holding zusammengelegt, die Regionalstruktur gestrafft. Viele Zentralfunktionen werden künftig im Konzern erledigt. Die Auswirkungen auf die Arbeitsplätze will Deutschlandchef Gerhard Rupprecht im Juni mitteilen. Rückstellungen für Restrukturierungskosten bildete der Konzern im ersten Quartal nicht, die könnten im zweiten anfallen, sagte Perlet.

Perlets Äußerungen zur Preisentwicklung belegen einen Trend, den die Branche seit einigen Monaten vor allem in Europa fürchtet. Die seit 2001 stark gestiegenen Preise in der Schaden- und Unfallversicherung haben den Höhepunkt überschritten und sinken.

Weltweit nahmen die Beitragseinnahmen der Allianz in Schaden- und Unfall im Quartal um ein Prozent auf 14,1 Mrd. Euro ab, „die Hälfe davon Preissenkungen, die andere Geschäftsaufgabe“, sagte Perlet.

In Deutschland machte der Rückgang zwei Prozent auf 5,0 Mrd. Euro aus, das operative Ergebnis ging von 408 Mio. Euro auf 369 Mio. Euro zurück – vor allem, weil die Kosten von 29,7 Prozent auf 33,1 Prozent stiegen. „Wir haben vor allem auf die Profitabilität des Geschäfts geschaut“, sagte Perlet zwar. In der Autoversicherung habe die Allianz aber neue Tarife und höhere Schadenfreiheitsrabatte eingeführt, die die durchschnittliche Prämie senkten. Im Gewerbgeschäft trugen „schwierige Marktbedingungen“ zum Rückgang bei. Die Schaden- und Unfallversicherung ist das Kerngeschäft der Allianz. Hier versichert sie Gebäude, Autos, Haftpflichtansprüche von Dritten oder Unfallrisiken. Der Bereich ist viel volatiler als die Lebens- und Krankenversicherung. Das gilt vor allem für die Autoversicherung, in der seit fast zwei Jahren ein intensiver Preiskampf tobt. Marktführer Allianz, der mit mehreren Preissenkungen dazu beitrug, konnte 2005 den jahrelangen Bestandsabrieb stoppen und in der Zahl der versicherten Fahrzeuge zulegen. Dieser Trend habe sich 2006 fortgesetzt, sagte Perlet. „Wir haben dazugewonnen.“

Die wichtigste Messgröße für die Schaden- und Unfallversicherung ist die Schaden- und Kostenquote oder Combined Ratio. Sie zeigt die Summe aus Vertriebs- und Verwaltungskosten und Schadenaufwand, ausgedrückt in Prozent der eingenommenen Prämien.

Die Allianz hat jetzt die Messmethode für diese Größe verändert und Teile der sonstigen Aufwendungen zu den Kosten gerechnet. Die so neu definierte Quote beträgt weltweit 94,7 Prozent, 0,7 Punkte schlechter als die 94 Prozent des Vorjahresquartals, die damals nach der alten Messmethode mit 92,1 Prozent angegeben wurden. In Deutschland verschlechterte sich die Quote von 89,4 Prozent auf 90,8 Prozent.

In der Schaden- und Unfallversicherung verbesserte die Allianz ihren Gewinn trotzdem von 996 Mio. Euro auf 1100 Mio. Euro , 62 Prozent des Konzerngewinns von 1,8 Mrd. Euro. Damit trug der Bereich erneut überproportional zum Gewinn bei, denn vom Gesamtumsatz von 29,6 Mrd. Euro – ein Plus von 4,9 Prozent – macht er nur 48 Prozent aus.

In der Lebens- und Krankenversicherung steigerte die Allianz weltweit ihre Beitragseinnahmen um 7,9 Prozent auf 12,8 Mrd. Euro. Die deutschen Töchter blieben mit plus 0,3 Prozent stabil bei 3,9 Mrd. Euro. Positiv war der Trend vor allem in Frankreich sowie in Südkorea. Leben und Kranken erzielten zusammen einen Überschuss von 534 Mio. Euro, nach 379 Mio. Euro im Vorjahresquartal. Das Asset Management trug 90 Mio. Euro bei, verglichen mit 30 Mio. Euro. Die für Dritte verwalteten Mittel stiegen um 624 Mio. Euro auf 753 Mio. Euro.

Zitat:

„Wir haben dazugewonnen“ – Finanzchef Perlet zur Autoversicherung –

Bild(er):

Der Finanzchef der Allianz, Helmut Perlet, rechnet in der Schaden- und Unfallversicherung mit abbröckelnden Preisen – J.H. Darchinger/Marc Darchinger

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

Diskutieren Sie mit