DBV-Winterthur präsentiert Rekord

Gewinnsprung der Tochter hilft Verkaufsplänen des Konzerns · Autoversicherung mit Black Box kommt

Von Herbert Fromme, Wiesbaden Die zur Schweizer Bank Credit Suisse gehörende Versicherungsgruppe DBV-Winterthur ist zuversichtlich, die Wende geschafft zu haben. „Unsere Strategie greift“, sagte Vorstandschef Frank Keuper. Das Unternehmen legte für 2005 einen Rekordgewinn von 138 Mio. Euro vor, verglichen mit 81 Mio. Euro auf vergleichbarer Rechnungsgrundlage für 2004. Indes bilanzierte der Konzern 2005 erstmals nach dem internationalen Standard IFRS, ein Vergleich mit den Vorjahren ist also schwierig.

Keuper sagte, hohe Kapitalerträge und die Bereinigung des Bestandes in der Schaden- und Unfallversicherung hätten für die Verbesserung gesorgt. Das führte hier allerdings zu einem Rückgang der Prämien um 6,3 Prozent auf 751 Mio. Euro. Dass die gesamten Prämieneinnahmen dennoch um 3,5 Prozent auf 3,67 Mrd. Euro stiegen, verdankt DBV-Winterthur vor allem ihrer niederländischen Lebensversicherungstochter, die wegen einer anstehenden Steueränderung ein Boomjahr erlebte.

Der Rekordgewinn aus Deutschland passt Credit Suisse und der Versicherungstochter Winterthur, die 70 Prozent am deutschen Unternehmen hält, sehr gut in die Planung. Die Bank will den ungeliebten Versicherer an die Börse bringen, nachdem ein Verkauf vor zwei Jahren am hohen Preis scheiterte. Jetzt führt Credit Suisse wieder Gespräche mit Einzelinteressenten, die Winterthur kaufen wollen, heißt es in Versicherungskreisen.

Eckpunkte der Strategie in Deutschland seien die Erhöhung der Effizienz und der Fokus auf die traditionellen Kundengruppen, so Keuper. Das sind Ärzte und der öffentliche Dienst, DBV-Winterthur kooperiert eng mit dem Beamtenbund und der Gewerkschaft Verdi.

Die Effizienzsteigerung will der Konzern, der 4800 Mitarbeiter beschäftigt, ohne Kündigungen erreichen. 2007 soll Keupers auf drei Jahre angelegter Plan einer Kostensenkung von 60 Mio. Euro jährlich erfüllt sein. „40 Mio. Euro haben wir schon 2006“, sagte Keuper.

Auf der Produktseite grenzt sich die Gesellschaft durch Neuentwicklungen von der Konkurrenz ab, die den Kunden des Unternehmens mehr Flexibilität geben sollen. So sind alle Verträge jährlich kündbar.

Ab Oktober bietet der Versicherer als erster in Deutschland einen Tarif, bei dem ein satellitengestütztes System im Fahrzeug Fahrleistung, Strecke, Geschwindigkeit und Fahrverhalten – etwa starkes Anfahren oder Bremsen – aufzeichnet. Die Kunden zahlen gemäß Nutzung. Vorerst wird der Tarif nur gewerblichen Kunden angeboten.

„Die Kosten betragen 120 Euro bis 150 Euro pro Fahrzeug“, sagte Vorstand Thomas Leicht. In vier Jahren könne sich die Black Box durch niedrigere Prämien amortisieren. In Großbritannien und den USA gibt es schon länger Tests mit solchen Tarifen, dabei werden die Daten per Mobilfunk an den Versicherer übertragen. Dagegen zeichnet das Winterthur-Gerät die Daten auf einem Datenstick auf, der Kunde überträgt sie per Internet an einen Zentralrechner. „Der Kunde erhält eine detaillierte Auflistung über Route und Fahrverhalten, gleichzeitig ein elektronisches Fahrtenbuch“, sagte Leicht. Das mache das System für Betriebe interessant.

In der Lebensversicherung konnte DBV-Winterthur bei den Beiträgen in Deutschland nur um 1,3 Prozent zulegen. Keuper sagte, die Abschaffung der Steuerfreiheit für Kapitallebensversicherungen mit Wirkung 2005 habe eine wichtige Rolle gespielt. Bei den meisten Konkurrenten führte dies aber zu stärker steigenden Einnahmen, weil das Rekordneugeschäft 2004 sich 2005 positiv auf die Beiträge auswirkte. Vorstandsmitglied Jan Martin Wicke schob eine weitere Begründung nach: 1999 endete die Kooperation mit der Commerzbank. Die Bank verkaufte zahlreiche Verträge nach dem steuergünstigen Modell „Fünf plus Sieben“, bei dem die Beitragszahlungen 2004 ausliefen.

Unzufrieden ist DBV-Winterthur mit der Rendite der deutschen Lebensversicherung, die deutlich unter der von Schwestergesellschaften in anderen Ländern liege.

Zum ersten Mal errechnete der Winterthur-Konzern für alle Töchter den European Embedded Value (EEV), den heutigen Wert der bestehenden Lebensversicherungsverträge und der daraus erzielbaren Gewinne. Dieser Wert spielt bei allen Verkaufsverhandlungen für Versicherungskonzerne eine große Rolle und wird von Analysten geschätzt. Die erstmalige Veröffentlichung durch Winterthur ist zweifellos den Börsen- oder Verkaufsplänen geschuldet.

Nach Angaben von Vorstand Wicke betrug der EEV für DBV-Winterthur Ende 2005 476 Mio. Schweizer Franken, nach 500 Mio. im Vorjahr. Der Gewinn aus der Lebensversicherung habe sich auf zwei Prozent auf den EEV belaufen, so Wicke. „Für die gesamte Gruppe beträgt der Gewinn 15 Prozent“, sagte Wicke. Sie wies für 2005 einen EEV von 6,12 Mrd. Franken aus, nach 5,47 Mrd. Franken im Vorjahr. Die deutsche Lebensversicherung sei sehr lukrativ für die Kunden und wenig lukrativ für die Aktionäre.

Bild(er):

Prächtiger Köder : Rekordgewinn der deutschen Tochter und Embedded Value sollen Investoren für Winterthur locken – FTD/Maxim Sergienko

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

Diskutieren Sie mit