Makler bauen auf mehr Transparenz

Die leise Fusionswelle bei den industriellen Großmaklern schreitet voran. Zugleich will die Branche nach einem Skandal in den USA transparenter werden – die Kunden freut dies dsfgsd fs

VON Friederike Krieger Ohne großes Aufheben übernahm Aon Jauch & Hübener, Marktführer unter den deutschen Großmaklern, am 23. Januar 2006 die Unita-Gruppe in Essen. Im Februar kaufte der Makler Ecclesia in Detmold von der Gothaer-Gruppe den Industriemakler J. L. Orth aus Nürnberg. Der im kirchlichen Bereich beheimatete Makler Ecclesia hatte 2004 überrascht, als er die DaimlerChrysler Services Assekuranz-Makler kaufte.

Eine ruhige, öffentlich kaum wahrgenommene Fusionswelle rollt durch die Maklerlandschaft. Sie verwandelt sich schnell. Dazu tragen veränderte Kundenansprüche bei, auch mittelständische Kunden bestehen heute auf einem internationalen Netzwerk und einer ausgereiften Technik beim Makler. Auch die neue Gesetzeslage – die EU-Vermittlerrichtlinie wird gerade in deutsches Recht umgesetzt – mit ihren Dokumentations- und Versicherungspflichten für die Makler sorgt für den Trend zu größeren Einheiten.

Kaum eine Sparte der Assekuranz ist so sehr auf die hohe Qualität der Vermittler angewiesen wie die Industrieversicherung. Der Direktabschluss zwischen Versicherer und Unternehmen ist die Ausnahme. Die enge Zusammenarbeit zwischen Industrie und Maklern wurde in den USA im vergangenen Jahr auf eine schwere Probe gestellt. Der New Yorker Generalstaatsanwalt Eliot Spitzer warf dem Weltmarktführer Marsh Angebotsbetrug vor. Gezielt habe Marsh bestimmten Versicherungsunternehmen, die dem Makler umfangreiche Sondervergütungen zahlten, Geschäft zugeleitet.

Die deutsche Maklerbranche sieht die Vorgänge als Einzelfälle. „Die Vorkommnisse in den USA haben schon für eine gewisse Unruhe in der Branche gesorgt, haben aber auf Grund anderer Marktgegebenheiten nicht zu einer tiefgreifenden Vertrauenskrise in Deutschland geführt“, sagt Andreas Ingerfeld von Aon Jauch & Hübener. Die US-Methoden waren in Deutschland meist unüblich.

Trotzdem habe der US-Skandal Anstoß gegeben, die Geschäftspraktiken der deutschen Branche zu überprüfen, so Hans-Georg Jenssen vom Verband Deutscher Versicherungsmakler. Der Verband hat einen „Code of Conduct“ (Verhaltenskodex) erarbeitet, in dem er Sonderprovisionen der Versicherer an die Makler wie Bonuszahlungen und Gewinnbeteiligungen ablehnt. Von seinen Mitgliedern fordert er auch mehr Transparenz in Sachen Vergütung. „Der Kunde hat ein Recht, zu wissen, aus welchen Quellen der Makler bezahlt wird“, sagt Jenssen.

Auch bei den einzelnen Häusern gibt es Bestrebungen zu mehr Offenheit. So teilt der Großmakler Willis Kunden ohne Aufforderung Einzelheiten über seine Vergütung mit. Das könnte allerdings auf der anderen Seite Probleme geben. „Es gibt keinen Code of Conduct für den Kunden, sodass die Gefahr besteht, dass sensible Daten missbräuchlich verwendet werden“, gibt Leberecht Funk, Geschäftsführer der Funk-Gruppe und Vorsitzender des Maklerverbandes, zu bedenken.

Die neue Freude an der Transparenz wird auch durch die EU-Kommission befördert, die nach dem Skandal eine Untersuchung bezüglich möglicher Wettbewerbshindernisse in der Industrieversicherung in die Wege geleitet hat. Die deutschen Makler haben bereits Post aus Brüssel erhalten. „Anhand des Fragenkatalogs lassen sich regulatorische Absichten schon erahnen“, sagt Funk. Auch Maximilian Teichler, Geschäftsführer bei Willis, hält Auswirkungen auf die Gesetzgebung für möglich. „Die Ergebnisse der Sektoruntersuchung können auch die Ausgestaltung der europäischen Vermittlerrichtlinie sowie die Reform des Versicherungsvertragsgesetzes beeinflussen.“

Nicht alle Makler lehnen gesetzliche Transparenzregeln ab. „Eine stärkere Regulierung hinsichtlich der Anforderungen an Qualität, Mindeststandards und Professionalität stände der Branche gut zu Gesicht. Auf Grund der brancheninternen Interessenkonflikte ist es fraglich, ob sie es schafft, sich selbst umfangreiche Standards aufzuerlegen“, sagt Felix Hufeld, Vorstandsvorsitzender von Marsh Deutschland.

Zitat:

“ „Keine tief-greifende Ver- trauenskrise“ “ – Andreas Ingerfeld,Aon Jauch & Hübener –

Bild(er):

Verloren gehen können nicht nur Fässer mit giftigen Chemikalien, wie hier auf der Autobahn A 14 zwischen Schönebeck und Calbe. Nach einem Betrugsskandal wie im Falle des Versicherungsmakler Marsh in den USA können Kunden auch das Vertrauen zu den Vermittlern der Versicherungsverträge verlieren – picture-alliance / dpa

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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