Mehr Wettbewerb beschert Industrie sinkende Prämien

Reform des Versicherungsvertragsgesetzes begrüßt

Von Herbert Fromme, Bonn Die deutsche Industrie sieht eine leichte Entlastung bei den Kosten für die industrielle Sachversicherung. Das sind Deckungen von Gebäuden und Maschinen gegen Feuer, Sturm und andere Gefahren. Ab 2001 hatten die Versicherer die Preise für die Industrieversicherung drastisch erhöht, seit 2005 dreht sich der Trend. „Seit einiger Zeit gibt es erfreulicherweise wieder mehr Wettbewerb“, sagte Günter Schlicht, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Deutschen Versicherungs-Schutzverbandes (DVS). Die Organisation vertritt mehr als 3000 Unternehmen und Gemeinden in Versicherungsfragen.

Insgesamt betrage das Prämienvolumen der Industrieversicherung – Sach, Haftpflicht, Auto – rund 19 Mrd. Euro, sagte Schlicht bei der Hauptversammlung des DVS. Davon machte die Sachversicherung 2005 4,1 Mrd. Euro aus, ein Rückgang um 3,4 Prozent. Die Schadenbelastung stieg im selben Jahr um 19,2 Prozent auf 2,9 Mrd. Euro an. Trotzdem seien nach Kosten 750 Mio. Euro für die Versicherer übrig geblieben, sagte Schlicht. Dazu kämen noch die Kapitalerträge. Da überrasche es doch, wenn der zunehmende Wettbewerb von einigen Versicherern mit „defätistischer Begleitmusik“ versehen werde, bis hin zur Drohung mit dem Ausstieg aus der Sparte.

Schlicht sagte, die Marktlage habe eine „unappetitliche Vorgeschichte“ gehabt, und erinnerte an die Kartellverfahren gegen 17 Versicherer. Er begrüßte die Sektorenuntersuchung der EU-Kommission, mit der sie einen Überblick über den Wettbewerb in der Industrieversicherung gewinnen will.

Der Verband sieht die geplante Reform des Versicherungsvertragsgesetzes positiv. „Wir begrüßen das Gesetzesvorhaben“, sagte Schlicht. Kritik gab es an Einzelpunkten. So dürfe einem Versicherungsnehmer nicht die Beweislast dafür aufgebürdet werden, dass er bei einem Schaden nicht grob fahrlässig gehandelt habe.

Kritisch sieht die Industrie den flächendeckenden Personalabbau in der Versicherungswirtschaft. Zwar habe sich der DVS immer für niedrigere Kosten bei den Versicherern eingesetzt. „Es wäre aber fatal, an den Kosten für fachliche Kompetenz zu sparen.“

Zitat:

„Wir begrüßen das Gesetzes-vorhaben“ – Günter Schlicht, DVS-Vorstandsmitglied –

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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