Skandalfolgen halten AIG im Griff

Prozesse und Dialog mit Aufsicht hemmen US-Versicherer · Preise ziehen an

Von Heike Buchter und Herbert Fromme, New York Der US-Versicherungsriese American International Group (AIG) muss mit weiteren Konsequenzen aus dem Skandal rechnen, der im vergangenen Jahr zur Trennung vom langjährigen Chef Maurice Greenberg geführt hat. Der Konzern schließt nicht aus, dass die Bilanzen früherer Jahre erneut geöffnet werden müssen. Anzeichen dafür gibt es bisher aber nicht.

„Es gibt noch Prozesse mit Privatleuten und einen fortdauernden Dialog mit der Versicherungsaufsicht mehrerer Bundesstaaten“, sagte AIG-Chef Martin Sullivan im FTD-Interview. Das Wesentliche sei aber ausgestanden, sagte er weiter. „Die wichtigsten Aufsichtsprobleme, die wir mit dem New Yorker Generalstaatsanwalt, der New Yorker Versicherungsaufsicht, der Börsenaufsicht SEC und dem Justizministerium hatten, wurde alle im Februar beigelegt.“

AIG hatte sich Anfang des Jahres mit den Behörden auf die Zahlung von 1,64 Mrd. $ geeinigt – ein Teil davon Strafe, der Rest Schadensersatz für geschädigte Anleger. Damit sind die Vorwürfe wegen Bilanzfälschung sowie Provisionsschneiderei bei diesen Behörden beigelegt.

AIG hatte unter Greenberg 2000 und 2001 durch einen Rückversicherungsvertrag mit der Gen Re die Reserven höher dargestellt, als sie waren, um den Börsenkurs positiv zu beeinflussen. Deshalb ermittelte der New Yorker Staatsanwalt Eliot Spitzer gegen das Unternehmen, andere Behörden schlossen sich an. Auch im Maklerskandal wurde AIG genannt – der Makler Marsh hatte gegen Sonderprovisionen Geschäft zu Lasten von Endkunden vergeben.

Rund 343 Mio. $ aus der Vergleichssumme sollen an die Versicherungsaufsicht verschiedener US-Bundesstaaten fließen. Damit werden Vorwürfe beigelegt, dass AIG im Zusammenhang mit der Arbeiterunfallversicherung – einer Pflichtversicherung für Arbeitgeber in den USA – staatliche Abgaben hinterzogen haben soll. Die Diskussionen mit den Aufsehern der einzelnen Bundesstaaten drehen sich vor allem um die Frage, ob die Summe ausreichend ist.

Das Unternehmen muss außerdem noch eine Reihe „sachlicher Mängel“ (Material Deficiencies) in seinen Bilanzierungsmethoden beseitigen. Die meisten sind schon bereinigt. „Wir arbeiten sehr intensiv daran und werden das so schnell wie möglich lösen, ich hoffe, noch vor Veröffentlichung unserer Bilanzen für 2006“, sagte Sullivan. Über die Auswirkungen auf die Bilanzen wollte er nichts sagen. Aus Firmenkreisen ist aber zu hören, dass eine erneute Öffnung der Bilanzen früherer Jahre nicht ausgeschlossen wird.

Trotz der weiter köchelnden Probleme mit den Behörden sieht Sullivan AIG gut aufgestellt, um nach dem Nettogewinn von 10,5 Mrd. $ vom vergangenen Jahr weitere gute Ergebnisse einzufahren. „In den USA steigen die Preise in der Schadenversicherung weiter“, sagte er. In Gebieten mit Katastrophenrisiken gebe es noch deutlich stärkere Preiserhöhungen. Im Haftpflichtmarkt hätten sich die Preise stabilisiert. „International gibt es etwas mehr Preiskonkurrenz“, sagte Sullivan. „Der US-Markt ist da zurzeit deutlich stabiler, was die Preise angeht.“

Zitat:

„In den USA steigen die Preise weiter“ – AIG-Chef Martin Sullivan –

Weiterer Bericht 32

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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