Wegzug trifft Aachen

AMB-Vorstand geht nach Köln · Neubau für Versicherer

Von Herbert Fromme Der Schlag kam trocken und völlig überraschend. Am 8. März teilte die Versicherungsgruppe AMB Generali mit, dass der Vorstand des zur italienischen Generali gehörenden Konzerns von Aachen nach Köln umziehen werde. Rund 100 von 300 Mitarbeitern, die auf Holding-Ebene in Aachen arbeiten, sind betroffen.

Die AMB Generali ist nach der Allianz und der Ergo-Gruppe der drittgrößte deutsche Erstversicherer. Zu den Konzerngesellschaften zählen unter anderem Aachen-Münchener, Volksfürsorge, Cosmos Direkt, Central und Advocard.

Mit dem Schritt verliert Aachen weiter Einfluss als Versicherungsstandort. AMB-Chef Walter Thießen begründete den Wegzug mit der Lage Aachens und der schlechten Anbindung an den Luftverkehr. „Wir erwarten von dem Wechsel spürbare Vorteile“, sagte er. Zahlreiche Konferenzen fänden schon jetzt im 70 Kilometer entfernten Köln statt. Deutlicher war der Stadt in letzter Zeit ihre Randlage nicht vor Augen geführt worden – die Tatsache, dass sie unter europäischen Gesichtspunkten in dem Dreiländereck von Deutschland, Belgien und den Niederlanden sehr gut liegt, spielt in der Finanzbranche kaum eine Rolle.

In der Aufregung um den Wegzug der Holding-Spitze gingen die positiven Nachrichten über den Standort etwas unter. Die operativen AMB-Töchter Aachen-Münchener Versicherung und Aachen-Münchener Leben bauen ein großes Verwaltungsgebäude, um bisher getrennt arbeitende Abteilungen zusammenzulegen. Insgesamt investiert das Unternehmen knapp 100 Mio. Euro in das neue Gebäude.

In Aachen arbeiten zur Zeit 1400 Mitarbeiter bei den beiden Gesellschaften. Auch bei diesen Mitarbeitern gibt es Sorgen um die Zukunft. Denn im Zuge eines neuen Drei-Jahres-Plans will der Konzern die Kosten um 100 Mio.Euro senken. Von den 11 000 Arbeitsplätzen im Innendienst würden 1000 abgebaut, sagte Thießen. Einschließlich des Außendienstes beschäftigt der Konzern zur Zeit insgesamt 17 000 Mitarbeiter. Seit 2003 hat AMB Generali bereits 1750 Stellen abgebaut. Der Versicherer Aachen-Münchener will bislang allerdings an den bestehenden Stellen festhalten.

Bei den Banken kann die nordrhein-westfälische Großstadt keinen überregionalen Player aufweisen, hat aber mit der zum genossenschaftlichen Finanzverbund gehörenden Aachener Bank und der Stadtsparkasse zwei kräftige regionale Banken.

Beide werden von örtlichen Unternehmen und der IHK gelobt. „Sie spielen bei der Ansiedlung und Finanzierung bestehender Firmen eine sehr positive Rolle“, sagte ein Sprecher der IHK.

Die Aachener Bank nutzt auch den Vorteil der Lage Aachens an der Grenze: Sie hat eine Filiale im belgischen Eupen, die gerade auch deutschen Kunden Geldanlagen in Belgien anbietet.

Zitat:

„Wir erwarten von dem Wechsel spürbare Vorteile“ – Walter Thießen,AMB-Chef –

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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