Allianz siebt bei Baukrediten aus

Architekten müssen künftig mehr zahlen als Ärzte · FTD-Interview mit Baufinanzierungschef Fischer

Von Anja Krüger, Köln Die Allianz Lebensversicherung prüft, die Zinssätze bei der Baufinanzierung für Freiberufler von der Berufsgruppe abhängig zu machen. Außerdem soll sich die Höhe der Zinsen künftig noch stärker danach richten, ob Kunden aus wirtschaftlich starken oder schwachen Regionen stammen. „Wenn wir die Konditionen weiter differenzieren, können wir feiner steuern“, sagte Kai Fischer, Leiter der Baufinanzierung der Allianz Leben, im FTD-Interview.

Mit diesen Plänen baut Deutschlands größter Lebensversicherer die Spreizung der Zinsen weiter aus. Viele Lebensversicherer sind traditionell Baufinanzierer. Hier legen sie einen Teil der von ihren Versicherten eingezahlten Gelder an.

Schon heute gewährt die Allianz bestimmten Arbeitnehmern und Beamten einen Abschlag, wenn sie von geringeren Risiken ausgeht. Jetzt prüft das Unternehmen, die bisher einheitlichen Konditionen für Selbstständige deutlich zu variieren. „Wir denken darüber nach, zum Beispiel für Freiberufler wie Ärzte oder Architekten risikoadjustierte Preise einzuführen“, sagte Fischer. Die Risiken bei Medizinern gelten als gut, ihre Verdienstaussichten werden als positiv eingeschätzt. Bei Architekten ist das anders, sie müssen höhere Zinsen zahlen.

Fischer will das Geschäft mit guten Risiken ausbauen, denn jeder zahlungsunfähige Bauherr führt zu Verlusten. Deshalb hatte die Gesellschaft bereits nach Regionen gestaffelte Zinsen eingeführt: Sie gewährt Kunden in Gegenden, für die eine positive wirtschaftliche Entwicklung unterstellt wird, bessere Konditionen. In 226 von 439 Landkreisen in Deutschland erhielten Bauherren bei Krediten bisher einen Zinsnachlass von 0,1 Prozentpunkten. Von nun an sind es sogar 0,15 Punkte. In den als wirtschaftlich stark eingeschätzten Regionen zahlen die Kunden bei zehnjähriger Laufzeit 4,54 Prozent statt 4,69 Prozent. 2005 kamen etwa 70 Prozent des Neugeschäfts der Allianz Leben aus Gebieten mit positiver Aussicht.

Trotz des Wegfalls der Eigenheimzulage konnte das Unternehmen im ersten Quartal im Geschäft mit Bauherrn-Krediten stark wachsen. Der Markt als Ganzes stagnierte dagegen. 2003 hatte er nach Schätzung der Allianz Leben ein Volumen von 90 Mrd. Euro, 2004 und 2005 von je 80 MrdEuro. Die wichtigsten Anbieter sind Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken sowie Bausparkassen.

Während die Bedeutung der Lebenversicherer in diesem Segment insgesamt abnimmt, wächst die der Allianz Leben. Im Jahr 2004 teilten sich 30 Lebensversicherer noch einen Marktanteil von 7,3 Prozent, 2005 sank er auf 6,2 Prozent. Allianz Leben konnte dagegen mit einem Neukreditvolumen von 1,5 Mrd. Euro den Anteil um einen Prozentpunkt auf 1,8 Prozent ausbauen. Die Dresdner Bank liefert inzwischen einen großen Teil des Geschäfts.

Der Trend hält an. In den ersten vier Monaten 2006 vergab die Allianz Leben Kredite mit einem Volumen von 580 Mio. Euro, das entspricht einer Steigerung von 81 Prozent. „Die traditionell starken Monate für die Baufinanzierung kommen erst noch“, sagte Fischer.

Allianz Leben und Dresdner Bank gehen arbeitsteilig vor: Die Bank ist für Kredite mit variablen Zinsen zuständig, der Versicherer kümmert sich um den klassischen Häuslebauer, der sein Eigenheim mit 20 Prozent Eigenkapital und einen Kredit mit festem Zinssatz finanziert. Bank und Versicherer wollen 2006 zusammen einen Marktanteil von fünf Prozent in der Baufinanzierung erreichen.

Zitat:

„Dann können wir feiner steuern“ – Kai Fischer, Allianz Leben –

Bild(er):

Der Traum vom Eigenheim kommt Allianz-Kunden höchst unterschiedlich zu stehen. Baufinanzierungschef Kai Fischer (im Fenster) dürfte sicher keine hohen Zinsen zahlen – FTD/Peter Raffelt; Allianz Leben; FTD-Montage

www.ftd.de/baufinanzierung

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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