Investoren belohnen Konzern mit Kursplus

Aktie steigt mit 1,5 Prozent stärker als der Dax · Einheitliche Betreuung der Kunden bis 2008 · Deutschlandchef beklagt Marktanteilsverlust in Autosparte

VON Herbert Fromme, Köln Der geplante Personalabbau der Allianz ist bei Analysten und Anlegern auf Zustimmung gestoßen. Mit einem Plus von 1,5 Prozent reagierte die Aktie deutlich besser als der Dax, der um 0,6 Prozent zulegte.

Gestern teilte der Konzern mit, dass bei den deutschen Versicherungstöchtern 5700 von 30 700 Vollzeitstellen gestrichen werden, bei der Dresdner Bank 2480. Die Versicherungsgruppe reduziert die Zahl der Niederlassungen von 21 auf 10. Das umfasst nicht die Allianz-Unternehmen, die nicht zur Deutschlandholding gehören – vor allem den Kreditversicherer Euler Hermes.

Mit der Radikalkur will die Allianz Deutschland allein im Versicherungsgeschäft brutto 500 Mio. Euro bis 600 Mio.Euro sparen. Nach Steuern und Gewinnbeteiligung der Lebensversicherungskunden wird der Nettogewinn um rund 300 Mio. Euro jährlich erhöht, erwartet Analyst Christopher Watson von Fox-Pitt Kelton in London. „Das sind alles gute Nachrichten, ist aber nicht wirklich neu“, sagte Watson.

Die Allianz hatte im September 2005 den Generalumbau in Deutschland angekündigt und ihn gesellschaftsrechtlich größtenteils schon zum Jahreswechsel vollzogen. Die Bekanntgabe des Arbeitsplatzabbaus hatte Deutschlandchef Gerhard Rupprecht aber mehrfach verschoben.

Brian Shea von Merrill Lynch sagte, die erwarteten Synergieeffekte seien „im Großen und Ganzen wie angekündigt“. Die Allianz sei schon heute beim operativen Gewinn „ganz oben auf der Erwartungsskala oder noch darüber“. Die Aktie sei aber unterbewertet.

Rupprecht sagte in einer Telefonkonferenz, der Umbau werde rund 500 Mio. Euro kosten und größtenteils 2006 ergebniswirksam. Von den Stellenstreichungen entfallen 1000 Stellen auf die Allianz Leben, 700 auf die Allianz Private Kranken und 3300 auf den Sachversicherer Allianz Versicherung. Bereits bekannt war, dass der Konzern 700 Vollzeitstellen bei der Vertriebsgesellschaft kürzt.

Laut Rupprecht wird bis Ende 2008 ein neues Betriebsmodell eingeführt, das die einheitliche Betreuung des Kunden ermöglichen soll. Bisher arbeiten die drei Sparten der Allianz weitgehend nebeneinander. Jetzt vollzieht der Konzern faktisch ihre Fusion, auch wenn die Gesellschaften aus rechtlichen Gründen weiterbestehen.

Die bisher sieben Zweigniederlassungen in der Sachversicherung und die Reihe von Büros der Lebens- und Krankenversicherer reduziert der Konzern auf vier Verwaltungszentren, zum Teil mit Außenstellen in nahe liegenden Städten. Neben Berlin und München sind das Hamburg mit Bremen und Hannover sowie Stuttgart mit Karlsruhe. Köln, bisher eine der größten Zweigniederlassungen der Sachversicherung, wird geschlossen: Für Nordrhein-Westfalen ist künftig Hamburg zuständig. Frankfurt wird künftig nur noch die Automobilindustrie betreuen.

Rupprecht sagte, die Allianz verliere wieder Marktanteile in der umkämpften Autoversicherung – im ersten Halbjahr seien es 100 000 Verträge gewesen. Damit hat sich die Entwicklung aus 2005, als die Allianz den jahrelangen Verlust stoppen konnte, wieder gedreht. Noch am 12. Mai hatte Konzernfinanzchef Helmut Perlet von einem positiven Trend auch 2006 berichtet.

In der Lebensversicherung wachse die Allianz zwar schneller als der Markt, aber nur wegen des Großgeschäfts in der betrieblichen Altersversorgung, sagte Rupprecht. Bei den Privatkunden seien die Anteile rückläufig. „Wir wollen nicht nur sparen, sondern Wachstum erzeugen“, sagte er.

Zitat:

„Wir wollen nicht nur sparen, sondern Wachstum erzeugen“ – Gerhard Rupprecht –

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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